NEWS - Antike zum Anfassen am BSG

 

Antike zum Anfassen am BSG

Blasen, Schweiß und körperliche Erschöpfung - alles für die Forschung

Bad Kötzting. Im Rahmen eines Vortrags wurden den Lateinkursen der Oberstufe am Benedikt-Stattler-Gymnasium wie auch den Schülerinnen und Schülern der 6. Jahrgangsstufe die Lebensweise der römischen Legionäre näher gebracht. Unter dem Motto "Antike zum Anfassen - die Römer in Regensburg" vermittelten die Referenten Schreiner und Pelikan Wissenswertes über die Ausrüstung und Kampfweise der in Castra Regina stationierten Soldaten der 3. Italischen Legion.

Ein ausgehöhlter Kürbis als antikes Äquivalent einer Sigg-Flasche, Filzhose statt Goretex-Kleidung und eine Leinentunika an Stelle einer Funktionsunterwäsche, als Verpflegung Getreidebrei und ein bisschen Parmesan statt Powerriegeln und Traubenzucker; nicht zuletzt noch 30 bis 45 Kilogramm Marschgepäck, das zum größten Teil an Lederriemen befestigt ist und teils am Körper scheuert: Für zehn Studenten des Faches Experimentelle Archäologie in Regensburg war dies Alltag auf ihrem 500 Kilometer-Marsch von Carnuntum an der slowakischen Grenze in Österreich nach Regensburg. Über die Forschungserkenntnisse dieses Marsch-Projektes wurden die Schüler des BSG bereitwillig und eingehend informiert. So bedeutete eben für die Teilnehmer Experimentelle Archäologie, Dinge, die in der schriftlichen Überlieferung unklar sind, auszuprobieren. Statt beispielsweise bisher vorherrschende Dogmen über die Tragweise der Ausrüstung eines Legionärs im dritten nachchristlichen Jahrhundert blind zu akzeptieren, wurden sie also im Selbstversuch erprobt: Wo rieb die Rüstung? Wie musste diese gepflegt werden? Wie viele Schuhnägel verschliss ein Soldat auf 500 km Fußmarsch? Welche Anforderungen stellte dieser enorme Verbrauch an Eisen - 2kg pro Soldat - an die Logistik? Wie wurde das Schwert getragen? Wie trocknete die Kleidung bei Regen? Wie haltbar und belastbar waren antike Gebrauchsgegenstände?

Neben aussagekräftigen Rekonstruktionszeichnungen und Fotos waren für die Schüler vor allem die nach Originalfunden rekonstruierten Ausrüstungsgegenstände von Interesse. So durften Neugierige schon einmal das Schwert eines römischen Soldaten in den Händen halten, den Unterschied zwischen einem pilum (Wurfspieß) und einer hasta (Lanze) erkennen, die Schwere eines Kettenhemdes am eigenen Leib spüren oder den Helm eines Legionärs bewundern und tragen, sodass das Motto des Vortrags "Antike zum Anfassen" Realität werden und den Lateinunterricht für die Schüler des Benedikt-Stattler-Gymnasiums spannend bereichern und ergänzen konnte.