Kollegiaten schnuppern Berliner Luft
Schüler des BSG erleben die Metropole Berlin aus verschiedenen Perspektiven
Bad
Kötzting. Als der Kötztinger Bus am späten Montagabend durch die verschneiten
Randbezirke der Hauptstadt bis zur Jugendherberge im Stadtteil Wedding rollte,
beeindruckte Berlin die 27 Schülerinnen und Schüler der 12. Jahrgangsstufe des
Benedikt-Stattler-Gymnasiums bereits durch seine schiere Größe. Die Metropole
an der Spree vereint wie keine andere deutsche Stadt aber auch Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft. Auf ihrer Studienfahrt in die Bundeshauptstadt konnten
sich die Kollegiaten von dieser Tatsache überzeugen und ihr in den letzten Jahren
erarbeitetes Wissen und Können in den Fächern Geschichte, Sozialkunde und Wirtschaft
vertiefen.

Gleich am ersten Tag stürzten sich die 15 Schülerinnen und 12 Schüler gemeinsam
mit ihren Lehrkräften Alexandra Denk und Burghard Lang mitten ins politische
Geschehen des Regierungsvierteles, wo sie nach einer Besichtigung des Reichstages
und der angrenzenden Bundestagsgebäude selbst tätig wurden. Gleich neben den
Sitzungsräumen der Ausschüsse schlüpfte jeder Schüler in die Rolle eines Bundestagsabgeordneten.
Innerhalb weniger Minuten verwandelten sich die Kollegiaten zu überzeugten Fraktionsmitgliedern,
die die Position "ihrer" Parteien zum Thema "Alkoholverbot für Jugendliche unter
18" erst enthusiastisch in den Ausschusssitzungen verteidigten, um dann taktisch
kluge Kompromisse einzugehen. So erkannten die Schüler spielerisch, wie Gesetze
Schritt für Schritt entstehen. Nach einem Mittagessen im Hohen Haus ging es
weiter mit einer Stadtrundfahrt durch das winterliche Berlin. Von der aktuellen
Politik tauchten die Schüler so in die Geschichte Deutschlands ein, in das preußisches
Berlin des 19. Jahrhunderts, die Goldenen Zwanziger, die Zeit des Nationalsozialismus
und in das Berlin als geteilte Stadt zu Zeiten des Kalten Krieges.

Die historische Thematik sollte die Schüler auch am nächsten Tag begleiten.
Im Deutschen Historischen Museum beschäftigten sich die Kollegiaten mit der
Geschichte Deutschlands seit 1945 und vor allem mit der deutschen Teilung sowie
dem Leben in der DDR. Was es aber wirklich bedeutet, in einem diktatorischen
System zu leben, wurde den meisten erst richtig bewusst, als die Gruppe das
ehemalige Stasi-Untersuchungsgefängnis in Berlin-Hohenschönhausen besuchte.
Dort erschütterten die überaus beeindruckenden Schilderungen des ehemaligen
politischen Gefangenen Karl-Heinz Richter, der als 17-Jähriger für sechs Monate
in Hohenschönhausen inhaftiert war, alle Anwesenden. Eine Stecknadel hätte man
fallen hören können, als Richter den Stasi-Terror anprangerte und ein Plädoyer
für die Freiheit hielt.

Dass Berlin nicht nur politisch und historisch interessant ist, sondern auch
wirtschaftlich punkten kann, wurde am nächsten Tag deutlich. Der Besuch des
Siemens-Schaltwerks führte den Schülerinnen und Schülern vor Augen, dass Siemens
mit mehr als 11.000 Arbeitsplätzen das größte Industrieunternehmen der Stadt
ist. Gleichzeitig machte die hervorragende Führung durch das Produktionswerk
der Schaltanlagen in der sog. Siemensstadt deutlich, dass man es bei Siemens
mit einem Global Player zu tun hat, der seine Produkte in die ganze Welt liefert.

Eine Verbindung von Kultur, Architektur und Geschichte bildete das Jüdische
Museum. Allein die Besichtigung des Baus des Stararchitekten Daniel Libeskind
ist einen Besuch wert. Die ausgezeichnete Führung durch das Museum eröffnete
einen Einblick in die Höhe- und Tiefpunkte von zwei Jahrtausenden deutsch-jüdischer
Geschichte. Somit wurde den Schülern klar, dass der Holocaust zwar niemals vergessen
werden darf, die jüdische Geschichte und das Leben der Juden in Deutschland
aber nicht darauf reduziert werden kann.

Der letzte Programmpunkt führte die Schüler noch einmal in Berlins Mitte. Endpunkt
der Studienfahrt, aber gleichzeitig auch ein Blick in die Zukunft war der Besuch
der Studieninformationswoche an der Humboldt Universität Unter den Linden. Hierbei
bot sich die Gelegenheit, einzelne Vorlesungen zu besuchen, sich über ein Studium
in der Hauptstadt zu informieren oder in den ehrwürdigen Gängen der renommierten
Hochschule universitäre Luft zu schnuppern. Mit diesem Blick auf die Zeit nach
dem Abitur endete eine lehr- und erlebnisreiche Woche in der Hauptstadt, die
die BSG-Kollegiaten sicherlich nicht zum letzten Mal besucht haben.