NEWS - „Deine Größe, Berlin, pflegt jeder Fremde zu rühmen.“

 

„Deine Größe, Berlin, pflegt jeder Fremde zu rühmen.“

Schüler des BSG erleben die beeindruckende deutsche Hauptstadt

Bad Kötzting. Diesem Zitat von Johann Wolfgang von Goethe kann wohl jeder Berlin-Besucher zustimmen. Zu diesen „Privilegierten“, die schon einmal in der Bundeshauptstadt sein durften, gehören seit vergangener Woche auch 21 Schüler aus dem Bayerischen Wald.
Nachdem die Klasse 9a des Benedikt-Stattler-Gymnasiums Bad Kötzting die Studienfahrt nach Berlin fast in Eigenregie organisiert hatte, von der Auswahl der Unterkunft bis zur Aufstellung eines facettenreichen Programms, sahen alle die Reise als verdienten Höhepunkt zum Ausklang eines anstrengenden Schuljahres an und dementsprechend stieg die Vorfreude schon seit Monaten. Mit OStRin Ingrid Rauscher und OStR Walter Schmid in Begleitung, stieg die 23-köpfige Reisegruppe an einem strahlend schönen Sonntag, den 10.  Juli, in den Zug über Leipzig, um bis zur Rückkehr am Freitag, den 15. Juli, so viel wie möglich von der Spreemetropole zu entdecken. Auch die um eine gute Stunde verspätete Ankunft um 15 Uhr konnte die erwartungsvolle Stimmung nicht beeinträchtigen.
Sehr zur Freude aller Beteiligten bot das ausgesuchte „Plus Berlin-Hostel“, verkehrstechnisch günstig gelegen am Warschauer Platz in Friedrichshain, äußerst komfortable Zimmer für kleines Geld und darüber hinaus viele Freizeitangebote, und so überrascht es nicht, dass die Gästeliste sehr jung und international war. Den verbleibenden Sonntagabend nutzte man für einen Abstecher zur East Side Gallery, ein über 1,3 km langes und von mehr als 100 Künstlern bemaltes Teilstück der Berliner Mauer, das sich zum denkmalgeschützten „Kultobjekt“ entwickelt hat. Am nächsten Morgen brach man zeitig zu einem ersten ausgedehnten Stadtrundgang auf. Die Schüler und Lehrer hatten sich auf die Variante per pedes entschieden, um nicht der „Touristenschieberei“ in „City-Safari-Bussen“ ausgesetzt zu sein und gleichzeitig mehr vom Flair und Ambiente des größten deutschen Stadtstaates aufzunehmen. Das gelang voll und ganz, als zuerst der Alexanderplatz besucht wurde. Von vielen als Exempel für kalten, schalen Städtebau tituliert, ist er doch einer der meist frequentierten Verkehrsknotenpunkte Berlins. Nicht zuletzt ist er auch Touristenmagnet wegen des 368 m hohen Fernsehturms, von der „Berliner Schnauze“ auch „Telespargel“ genannt.
Dagegen war das winzige und beschauliche Nikolaiviertel der pure Gegensatz dazu. Mit seiner über 770-jährigen Geschichte kann es als „Gründungskern“ der Hauptstadt bezeichnet werden und bietet einen besonderen Charme. Nach dem Gendarmenmarkt bog man auf den bekannten Pracht-Boulevard „Unter den Linden“ ein und bewunderte Gebäude wie die Staatsoper oder die Neue Wache, bevor man über den Pariser Platz, den „Empfangssalon Berlins“ mit den zahlreichen Botschaften, durch das monumentale Brandenburger Tor schritt.
Bei einer einstündigen Schifffahrt auf der Spree lernten die Schüler Berlin vom Wasser aus kennen, um sich anschließend ins Regierungsviertel mit seiner speziellen Architektur aufzumachen. Auf Einladung von MdB Karl Holmeier wurde der Gruppe der Zugang zum Paul-Löbe-Haus gewährt, das mit seinen acht Zylindern als Arbeitsplätze für die Bundestag-Ausschüsse gleichsam „Motor“ der Republik ist. Nach einem Imbiss zur Stärkung erhielt die Klasse einen sehr informativen Vortrag im Plenarsaal des Reichstagsgebäudes, wo nicht nur der Bundesadler die Schüler beeindruckte, sondern auch die andächtige Atmosphäre im „wichtigsten Haus Deutschlands“.
Zur Entspannung ging es am Dienstagmorgen in den Berliner Zoo. Auch wenn es dort keinen Eisbär Knut mehr gab, imponierte der Zoologische Garten dennoch mit seinem unvergleichlichen Artenreichtum und seiner ruhigen Lage inmitten einer Weltstadt mit 3,5 Millionen Einwohnern. In der Gedenkstätte Hohenschönhausen, der ehemaligen U-Haft-Anstalt der Staatssicherheit der DDR für Oppositionelle des Sozialismus, konnten sich die Schüler vertiefend mit den Methoden des DDR-Regimes und des Ministeriums für Staatssicherheit auseinandersetzen.   
Auf eine berührende Art und Weise erläuterte ein kolumbianischer Zeitzeuge sein Schicksal und das vieler anderer, die psychisch regelrecht zermalmt wurden und machten der Klasse bewusst, wie wichtig die mittlerweile selbstverständlichen Rechte auf Freiheit und Selbstbestimmung sind.
Bei einem weiteren Stadtrundgang am Mittwoch stellten die Lehrer, erneut in der Rolle kompetenter Fremdenführer, das Scheunenviertel vor. Besonders erwähnenswert sind hier die Oranienburger Straße, die Neue Synagoge – das Scheunenviertel war auch das Viertel der jüdischen Bevölkerung – und die einzigartigen, zusammenhängenden Hackeschen Höfe, deren kleine Geschäfte vornehmlich Designerprodukte anbieten.
Wehmut breitete sich in der Reisegruppe aus, als man das Kunstzentrum Tacheles mitsamt einigen Künstlerateliers besuchte, dessen wechselvolle Geschichte und Tradition wohl bald einer Zwangsversteigerung zum Opfer fallen wird. Ebenso der anliegende Skulpturenpark steht vor dem Aus. Nichtsdestotrotz ließen es sich die freischaffenden Künstler dort nicht nehmen, die Klasse auf ein Getränk einzuladen und ihre kleine Welt vorzustellen.
An diesem bereits künstlerisch geprägten Tag lag es nahe, den Nachmittag in einem der berühmten Museen auf der Museumsinsel zu verbringen. Mehrheitlich entschied man sich für das erst seit knapp zwei Jahren wiedereröffnete Neue Museum und hatte so die Möglichkeit, ausgiebig die Ägyptische Sammlung zu betrachten, allen voran die weltbekannte Büste der Nofretete. Auch Teile der Antiken Sammlung waren dort ausgestellt.
Am Donnerstag stand ein letzter Stadtrundgang auf dem Programm, diesmal war der Westen mit der „neuen Mitte“ an der Reihe. Große Begeisterung bei allen löste das Kaufhaus des Westens, KadeWe, aus. Bei den auf totalen Luxus ausgerichteten Abteilungen mit der exquisiten Feinschmeckerabteilung als Höhepunkt blieb der große „Kaufrausch“ natürlich preisbedingt aus, ebenso war es bei den zahlreichen edlen Boutiquen entlang der Tauentzienstraße und des Kurfürstendamms, an deren Kreuzung man die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche besichtigte. Der „hohle Zahn“ wird gerade aufwendig restauriert und bietet eine Gedenkhalle für Frieden und Versöhnung, in der unter anderem das Nagelkreuz von Coventry ausgestellt ist. Zum Abschluss betrachtete man einen Abstecher in das Käthe-Kollwitz-Museum in der noblen Fasanenstraße als kulturell sehr sinnvoll. Unter anderem die Pietà „Mutter mit verlorenem Sohn“ in der Neuen Wache wurde von dieser engagierten Künstlerin, die es selbst nicht einfach hatte, erschaffen, um der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft zu gedenken.
Nach diesen „offiziellen“ Terminen hatten die Schüler nun die Gelegenheit, auf eigene Faust Berlin zu erkunden und sich einen schönen letzten Nachmittag der Studienfahrt zu bereiten. Einige entschieden sich für einen Trip zum Olympiastadion, andere bevorzugten das Deutsche Technikmuseum. Auch die Dauerausstellung Topographie des Terrors war eine sehr sinnvolle Alternative. Darüber hinaus war nun endlich Zeit, ausgiebig das unbegrenzte Shoppingerlebnis vom „Ku’damm“ bis zum Alexanderplatz zu genießen. Die Reise fand dann am Abend ihren Abschluss in einer großen Disco, direkt beim Hostel gelegen, die allen noch einmal ein paar ausgelassene Stunden bescherte. Am Freitagmorgen um kurz vor elf Uhr bestieg die Gruppe dann wieder den ICE in Richtung Dresden, um erst am späten Nachmittag voller Eindrücke zuhause anzukommen. Hinter den Schülern, auch denen, die schon einmal die Bundeshauptstadt genießen konnten, lag eine der schönsten und erlebnisreichsten Wochen ihrer bisherigen Schulzeit. Berlin bietet nämlich dem, der die Augen offenhält, so viele bunte Dinge, dass wahrscheinlich ein ganzes Menschenleben nicht ausreicht, sie zu erleben. Wenn dann auch noch das Hostel-Personal und der Berliner Bürger an sich so umwerfend freundlich sind und das sehr gut ausgebaute Verkehrsnetz alle spontanen Touren möglich macht - beides traf bei der Studienfahrt voll und ganz zu - dann kann man abschließend mit Recht sagen, dass das „Unternehmen Berlin“ ein voller Erfolg gewesen ist.