NEWS - Zeitgemäße Bildung ist weit mehr als reine Wissensvermittlung

 

Zeitgemäße Bildung ist weit mehr als reine Wissensvermittlung

Bad Kötzting. Selbst- und Sozialkompetenz der Schüler sollen am BSG systematisch in den Jahrgangsstufen aufsteigend aufgebaut werden. Welche Kursangebote und Praktikas diesbezüglich an der Schule durchgeführt werden und wie diese in der Praxis aussehen, darüber konnten sich die Besucher der ersten Infoveranstaltung am Mittwoch Abend informieren.

"Mit der heutigen Veranstaltung möchten wir das Bewusstsein für die Bedeutung von Bildung stärken", so Rosemarie Käser, die Elternbeiratsvorsitzende des BSG, bei ihrer Begrüßung. Zahlreiche Interessierte waren der Einladung zum Bildungsforum gefolgt. Vertreter der Stadt, des Landratsamtes, der IHK Regensburg, Repräsentanten von Unternehmen und Banken hatten sich ebenso eingefunden wie Lehrer und Schulleiter umliegender Bildungseinrichtungen und Eltern von Schülern. Käser stellte die Referenten vor, die für zwei Fachreferate gewonnen werden konnten um das Thema "die Bedeutung von Selbst- und Sozialkompetenz" aus psychologischer und unternehmenspraktischer Sicht zu beleuchten. Diplom-Psychologe Martin Simmel und Dr. Josef Weber von der Firma Zollner AG in Zandt konnten dafür gewonnen werden.Sigrid Golleck-Riedl gab als Elternvertreterin einen kurzen Überblick über den Verlauf des Abends, bevor Schulleiter Günther Roith ans Rednerpult trat.

Roith definierte Bildung historisch und wie er sie aus aktueller Sicht verstanden wissen möchte und zeigte auf, mit welch breit gefächerten Angeboten diese an seiner Schule erreicht werden soll. Außerdem meinte er, fände Bildung im eigentlichen Sinne auch in den Pausen und auf dem Schulhof statt, auch da seien Höflichkeit, Rücksichtnahme und Teamgeist gefragt. Projekte wie Schüleraustausch, Schülerzeitung, Exkursionen, Praktikas in sozialen Einrichtungen aber auch Sport, Kunst, Musik und Theater würden den Schülern für eine umfassende Persönlichkeitsentwicklung geboten. Die gute und enge Zusammenarbeit mit Unternehmen, Banken, Universitäten, dem Landratsamt und der TCM sei hierfür unabdingbar.

Gertrud Lauerer übernahm mit vier Schülern aus verschiedenen Jahrgangsstufen den Part der Veranstaltung, dem Publikum anhand von gesammeltem Bildmaterial die bereits durchgeführten Projekte näher zu bringen. Die Schüler konnten dabei ihre Meinung kund tun und über persönliche Erfahrungen und Erlebnisse berichten. Nachdem hier eine breite Palette an Aktionen aufgezeigt worden war, trat Gollek-Riedl mit einer eher fragend gemeinten Äußerung an den Schulleiter heran: "Das kostet!" Roith verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass die Schule stets bemüht sei, sozial schwächeren Schülern finanziell behilflich zu sein, damit alle in gleicher Weise an den angebotenen Projekten wie Wanderwoche, Skikurs, Schüleraustausch oder Lehrfahrten teilnehmen könnten. Betroffene sollten sich auf keinen Fall scheuen an ihn oder die Elternbeiratsvorsitzende heran zu treten.

Diplom-Psychologe Martin Simmel ging die Thematik des Abends anschließend aus psychologischer Sicht an. Er gab Denkanstöße zu den Fragen: "Wie erkennt man einen glücklichen und erfolgreichen Menschen?", "Was ist Glück?", "Was ist das Ziel menschlichen Strebens?". Er berichtete über das erforschte "Flow - Erlebnis", das nicht beim Müßiggang sondern immer dann auftritt, wenn man etwas tut was einem Freude macht. Sehr verständlich und beeindruckend die Geschichte von der Ente, der man das Defizit im Klettern ausmerzen möchte und die letztendlich deswegen auch noch das Schwimmen verlernt. Die Essenz daraus: Nicht an den Schwächen soll gearbeitet werden, die Talente muss man fördern! Ein weiterer Denkanstoß für die Anwesenden die Darstellung der Forschungsergebnisse von Simmel, dass der IQ vier bis zehn Prozent des beruflichen Erfolgs ausmacht, die praktische Intelligenz mindestens ebenso wichtig ist und die emotionale Intelligenz gar zu 50 Prozent über den Erfolg im Leben entscheidet.

"Ihre Schule ist auf einem guten Weg", so stieg im Anschluss Dr. Josef Weber in sein Referat ein. Ihm viel es zu, die Notwendigkeit veränderter Bildung aus der Sicht des Betriebes, also des späteren Arbeitgebers auf zu zeigen. Weber erläuterte, welche Anforderungen heute ein moderner Industriebetrieb an seine Mitarbeiter stellt, welche Qualifikationen gefragt sind. Auch er sehe täglich in der Praxis, dass es keinen Sinn mache "Werte an die Wand zu pinnen", man müsse sie vorleben, einfordern. Außerdem käme man um lebenslanges um- und dazulernen nicht mehr herum. Gefragt seien unbedingt eigenständiges Mitdenken und Handeln, nur so könne man auch Führungspositionen erreichen und behalten. Führungskräfte müssten heute vormachen und coachen, im Team arbeiten. Wörtlich meinte er dazu: " Was heute zählt ist die Gruppenleistung, für Stars ist kein Platz mehr." Auf die Nachfrage von Gollek-Riedl, wie man denn bei Bewerbung oder Einstellungsgespräch auf die Kürze der Zeit erkenne, ob ein Bewerber diese Tugenden mitbringt meinte der Referent, dass dies durchaus möglich sei. Vor allem im Gespräch merke man schnell, ob der Proband zusammenhängend argumentiert, welche Werte er seinen Urteilen zugrunde legt, ob er aufgeschlossen und lernbereit ist.

Das Resümee des Abends der neuen Bildungsoffensive, das die Referenten einhellig bestätigten: Die Schule ist ein ideales Umfeld um sich selbst zu begreifen, sich aus zu probieren. Wenn man den Heranwachsenden vielfältige Möglichkeiten dazu gibt, ist der Grundstock für ein glückliches, erfolgreiches Leben gelegt. Beim anschließenden Ausklang mit Sekt und Häppchen in der Pausenhalle des BSG gab es noch ausreichend Gelegenheit zu persönlichem Meinungsaustausch, vertiefenden Gesprächen oder Platz für neue Ideen