NEWS - „Europa“ bekam am BSG klare Konturen

 

„Europa“ bekam am BSG klare Konturen

Vortrag von Dr. Sabathil für die 10. Jahrgangsstufe - Hinweis auf berufliche Chancen bei der EU

Bad Kötzting. Die Europäische Union, ein derzeit aus 27 europäischen Staaten bestehender Staatenbund, ist mit ihrem breiten Spektrum für die meisten Staatsbürger Deutschlands ein eher suspektes und nicht ganz durchschaubares Gebilde. Um den Gymnasiasten einerseits die Ehrfurcht vor der EU zu nehmen und andererseits Einblicke in die aktuellen europäischen Herausforderungen zu gewähren, fand am Benedikt-Stattler-Gymnasium ein Vortrag des Direktors der EU-Kommission, Dr. Gerhard Sabathil, statt, der ein offenes Ohr für die Anliegen der Schüler zeigte und keine Frage ungeklärt ließ.

Kürzlich betrat Dr. Gerhard Sabathil das Benedikt-Stattler-Gymnasium nicht, um sich über die schulischen Leistungen und sozialen Kompetenzen seiner beiden Töchter zu informieren, sondern um den Schüler und Schülerinnen der 10. Jahrgangsstufe das große Abstraktrum Europa etwas näher und vor allem zugänglicher zu machen. So wurden neben der Arbeitnehmerfreizügigkeit, in der Dr. Sabathil enorme Chancen sieht, auch die Krise von EU-Staaten wie Griechenland oder Irland und der Atomausstieg kritisch beleuchtet und diskutiert.

Um einen Denkanstoß zu geben, warum die Europäische Union im Bewusstsein vieler Menschen keine große Rolle spielt, gab Dr. Sabathil zu bedenken, dass Politik immer durch Personen wahrgenommen wird: Man kenne Angela Merkel als Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland und nehme deswegen auch deren politisches Agieren wahr. Anders verhalte es sich mit durchaus qualifizierten Politikern der Europöischen Kommission wie beispielsweise Barroso oder Van Rompuy, die den meisten namentlich nicht bekannt seien, weshalb für viele Bundesbürger die Politik der EU keine große Bedeutung habe.

Eine der großen Streitfragen war der in der deutschen Öffentlichkeit stark kritisierte Rettungsschirm für EU-Mitgliedsstaaten wie Griechenland oder Irland, wo von Seiten der Schüler Klärungsbedarf bestand, wie es so weit habe kommen können. Dr. Sabathil erläutert die derzeitige Situation mit Hinweis auf den Verstoß dieser betroffenen Länder gegen gewisse Regeln der Europäischen Kommission. So sei es zum Beispiel in Griechenland mit der Steuermoral nicht gut bestellt, weswegen es zu einem Schuldenloch von etwa 30 bis 35 Millionen Euro gekommen sei. Zudem sei es ein großes Problem, dass viele junge und hochqualifizierte Griechen emigrieren, was sich wiederum negativ auf die wirtschaftliche Lage des Landes auswirke. Die Wiedereinführung der griechischen Drachme und damit den Ausschluss aus der Währungsunion lehnt der EU-Experte allerdings ab. Vielmehr zeigte er sich optimistisch, da man durch Solidarität und neue Regeln auch diese Probleme bewältigen und aus diesen gestärkt hervorgehen könne.

Auf die Frage, ob der Euro denn eine überzeugende Währung sei, unterstrich Dr. Sabathil, dass der Europäischen Union hier eine Erfolgsgeschichte gelungen sei, da der Euro „eine stabilere Währung als erwartet“ sei. Man müsse keine Inflation fürchten und sei auf einem guten Weg, den Euro als zweite Weltwährung durchzusetzen.

Was die Schüler noch brennend interessierte, war die Meinung des EU-Beamten zur Atompolitik Deutschlands, was ja zugleich ein nationales als auch europäisches Thema ist. Die aufgrund der Katastrophe in Japan entbrannte Atomdebatte, die derzeit in Deutschland geführt wird, stellte Dr. Sabathil jedoch als einzigartiges Phänomen innerhalb der EU heraus. Er halte die Diskussion für müßig, wenn man bedenke, dass Nachbarstaaten wie Frankreich, Polen oder Tschechien nicht gewillt seien, vom Atomstrom abzurücken.

Zum Schluss seines Vortrags stellt der EU-Experte noch heraus, welche großen beruflichen Chancen Europa bieten könne, da jährlich etwa 2000 neue Stellen in Brüssel entstünden, bei denen sich das Spektrum von Tiermedizin bis zu Philologie erstreckt. Außerdem ermunterte er zur Teilnahme am Übersetzerwettbewerb der EU; Dolmetscher sei ein äußerst attraktiver Beruf sei. Schließlich riet er den Zehnklässlern eindringlich zu einem Studium in mehreren Ländern, wobei er als Beispiel ein Erasmus-Studium erwähnte.