Vom Biomasseheizwerk zur Globalisierung
Gymnasiasten wurden in Straubing und Tutzing mit aktuellen Herausforderungen konfrontiert
Bad
Kötzting. Am Benedikt-Stattler-Gymnasium gehört es zum Schulprogramm, dass die Schüler neben dem Unterricht im Klassenzimmer immer wieder auch im Rahmen von Veranstaltungen außerhalb des Klassenzimmers auf das Studium, die moderne Arbeitswelt und die Erfordernisse im privaten Leben in der Welt des 21. Jahrhunderts vorbereitet werden. Diese Zielsetzung führte die Klassen 10b und 10c drei Tage lang zunächst nach Straubing in das Kompetenzzentrum für nachwachsende Rohstoffe und nach Tutzing in die politische Akademie.

Von Güssing im südlichen Burgenland hatten die BSG-Schüler vorher noch nie etwas gehört. Im Technologie- und Förderzentrum in Straubing wurde ihnen dieser Ort in einem Film aber als ein herausragendes Beispiel für die Nutzung von Energien jenseits von Kohle und Atom vorgestellt. Die einstmals bettelarme Region hat den hundertprozentigen Ausstieg aus fossilen Energien vollzogen und macht deutlich, dass man sich mit Wald und Landwirtschaft unabhängig von den problematischen Energieträgern machen kann. Verständlicherweise kam in diesem Zusammenhang von Seiten der Kötztinger Besucher die Bemerkung, dass eine zu intensive Nutzung der Landwirtschaft für Energie die Lebensmittelversorgung auf der Welt gefährden könne. Dem wurde dann entgegnet, dass das Ziel selbstverständlich „Teller und Tank und Trog“ lauten müsse.

Insgesamt brachte der Film, der den notwendigen Energiemix auf der Erde für die Zukunft vorstellte, den Bad Kötztinger Gymnasiasten hochinteressante Informationen und stimmte sie doch sehr nachdenklich. Herausgehoben wurde, dass für die 9 Milliarden Menschen, die 2050 die Welt bevölkern, Wind, Wasser und Sonne die entscheidenden Energieträger sein müssten. Die Bedeutung der Stromerzeugung auf kommunaler Ebene wurde betont; es wurde auch gezeigt, dass besonders in südlichen Ländern Häuser schon bald als Kraftwerke funktionieren könnten, die dann als Energiespeicher auch als Tankstellen für die Autos fungieren würden.

Mit großem Interesse informierten sich die Gymnasiasten im Ausstellungsraum über Rohstoffpflanzen , Biomasseheizwerke, modernes Wohnen mit wenig Energieverbrauch und viele ähnliche Themen. Bei dieser Gelegenheit hörten die meisten Schüler zum ersten Male, dass es im Pazifik eine „Plastikinsel“ von der Größe Frankreichs gibt, die der Wohlstand der Menschen hinterlassen hat – übrigens mit verheerenden Folgen für die Tierwelt: eine Million junger Seevögel sterben jährlich, weil sie von ihren Eltern mit Plastik aus dem Ozean gefüttert werden. Im Mittelpunkt der Ausstellung standen aber die Eigenschaften nachwachsender Rohstoffe, Fragen der globalen Klimaschutzpolitik, der Trocknungsverlauf des Holzes und der Wert von Rapsölkraftstoff.

Von diesem eher naturwissenschaftlichen Themenbereich hieß es ein paar Stunden später für die Schüler in der politischen Akademie Tutzing auf politische Fragen umsteigen. Dabei erkannte man aber sehr schnell, dass die Energieversorgung eine der ganz großen globalen Fragen ist. Bei diesem hochinteressanten Seminar versuchten die Bad Kötztinger Jugendlichen den Begriff Globalisierung zu klären und setzten sich ausführlich mit den Gefahren, aber auch den Chancen dieser Entwicklung auseinander.

Große Augen machte man, als man sich unter dem Motto „Wäre die Welt ein Dorf mit 100 Einwohnern“ mit wichtigen Themenbereichen auseinandersetzte. Für viele war es kaum zu glauben, dass von den 100 Dorfbewohnern dann nur 12 aus Europa kämen, dass nur neun von ihnen Englisch, aber 22 chinesische Dialekte sprächen und nur 32 Christen seien. Dass von den 100 Bewohnern 26 nichts zu essen und weitere 34 immer Hunger haben, rief Betroffenheit hervor.

Ausführlich beschäftigte man sich mit der Globalisierung der Wirtschaft. Am Beispiel afrikanischer Baumwollbauern und eines deutschen Jeans-Produzenten wurde gezeigt, wie Globalisierung die einen reich und andere bettelarm machen kann. Untersucht wurden transnationale Konzerne und ausführlich ging man wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Aspekten des Welthandels nach.

„Wallstreet 2: Geld schläft nicht“ lautete der Titel eines Filmes, der den Gymnasiasten drastisch vor Augen führte, durch welche Machenschaften und welche Gewissenlosigkeit es zur großen internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise kommen konnte. Dass auch die Sprache der Globalisierung ausgesetzt ist, wurde verdeutlicht, als man nach deutschen Ausdrücken für Bodybuilding, Charts, Smalltalk, Shoppen, Feedback und Lifestyle suchte.

Am Ende versahen die meisten Teilnehmer des Seminars den Titel des Seminars „Feindbild Globalisierung“ aber mit mehreren ganz großen Fragezeichen, da ihnen auch die Vorteile der intensiven internationalen Zusammenarbeit auf vielen Gebieten deutlich wurden. Bei Vorträgen und mit Hilfe von Planspielen hatten die Jugendlichen einen Einblick in die heutige komplizierte und verflochtene Welt bekommen, in der sie sich als Erwachsene einmal behaupten müssen.