Ferien als Herausforderung
Bad
Kötzting. Wenn am 31. August an den bayerischen Schulen die Endjahreszeugnisse
ausgegeben werden, beginnt wieder der Strom der Schüler an die hiesigen Badeseen,
werden die Staumeldungen von den fernen Autobahnen gen Süden nicht abreißen.
Doch 32 ausgewählte Schülerinnen und Schüler haben sich dafür entschieden, in
der ersten Sommerferienwoche nicht auf den Straßen der Republik zu schwitzen,
sondern zunächst die Herausforderung im Ferienseminar für vielseitig interessierte
und begabte Gymnasiasten in Pegnitz zu suchen.

Bereits zum 23. Mal findet die Veranstaltung im Schülerheim in Pegnitz statt,
und in diesem Jahr wurde Anton Stoiber, der die 12. Klasse des Benedikt-Stattler-Gymnasiums
in Bad Kötzting besucht, vom bayerischen Kultusministerium dazu eingeladen.
Es würdigt damit seine herausragenden Leistungen, die sich nicht nur an den
exzellenten Noten ablesen lassen. Darüber hinaus gaben auch seine überaus vielseitigen
Interessen den Ausschlag: Dazu zählt vor allem seine musikalische Begeisterung:
Bereits seit sieben Jahren spielt er Akkordeon und ist Mitglied im Schulorchester,
wo er die Stelle des Kontrabassisten innehat. Außerdem hört er verschiedene
Richtungen von Musik und liest gerne. Besonders hervorzuheben ist überdies seine
Leidenschaft für die lateinische Sprache.

Das einwöchige Seminar in Pegnitz gibt Anton Stoiber nun die hervorragende Gelegenheit,
seine Begabungen und vielseitigen Talente in der Gruppe zu präsentieren, durch
eine Vielzahl von Veranstaltungen Einblicke in Themen aus Politik, Wirtschaft,
Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft zu gewinnen und mit Gleichgesinnten Ideen
auszutauschen und Neues zu entwickeln. So liest sich das sechstägige Programm
als anspruchsvolles, breit gefächertes Kaleidoskop durch verschiedenste Interessensbereiche.
Gleich zu Beginn der Woche steht der Schriftsteller Jean Paul im Zentrum, den
Frau Dr. Cosima Lutz, freie Journalistin in Berlin, in ihrem Vortrag über "Jean
Paul und das Essen" von einer ganz speziellen Seite vorstellt. Es folgt ein
Workshop über Heinrich Heine, nicht nur, um sich zu bilden, sondern auch, um
sich kennen zu lernen. Im Anschluss daran stellt Regisseur und Rezitator Jan
Burdinski diesen deutschen Dichter szenisch dar und sichert sich damit den Beifall
der Seminarteilnehmer.
Kulturhistorisch bedingte Grenzerfahrungen stehen auch im Mittelpunkt des Interesses,
wenn sich das Seminar nach Marktredwitz begibt. Herr Harald Ehm als Geschäftsführer
der Euregio Egrensis Bayern-Sachsen-Böhmen zeigt den Seminarteilnehmern die
zentrale Rolle der Zusammenarbeit der Menschen in der Region auf, die Prof.
Maier von der Universität Bayreuth am Vorabend in einem Vortrag zur EU-Osterweiterung
bereits in einen größeren Rahmen stellen wird. Eine Spurensuche in Marktredwitz
macht die theoretischen Ausführungen anschaulich. Die Ergebnisse fruchtbaren
Zusammenwirkens in vergangenen Jahrhunderten darf die Gruppe zudem in Waldsassens
Klosterbibliothek und Basilika bewundern.
Doch warum nur in die Ferne schweifen, wenn auch der Veranstaltungsort selbst
viel zu bieten hat. Der Bürgermeister der Stadt Pegnitz, Herr Manfred Thümmler,
lädt die Schüler zum Essen und gibt Aspekte aus seiner langjährigen Erfahrung
in der Kommunalpolitik preis, bevor man sich die Gegend botanisch-kulturell
erwandert. Während eines Besuchs bei der KSB, einem wichtigen ortsansässigen,
doch weltweit agierenden Unternehmen, rückt für die Teilnehmer die Welt der
Wirtschaft in den Fokus. Sie erleben hautnah, was es bedeutet, einen Betrieb
sicher durch turbulente Zeiten zu führen, in Management und Produktion beständig
und doch zukunftsweisend zu denken und zu handeln.
Wieder an einem anderem Ort, nämlich an der Universität Bayreuth, wird den Schülern
durch Vorlesungen und Laborbesuche der Fachbereiche Physik und Betriebswirtschaft
anschaulich, was am Abend zuvor zum Thema Studium von den Studienberaterinnen
der Hochschulen Bayreuth und Hof bereits näher gebracht wurde. Schließlich gilt
es für die meisten teilnehmenden Schüler, sich in absehbarer Zeit einem Fachstudium
zuzuwenden.
Doch auch die eigene Kreativität und Aktivität sollen nicht zu kurz kommen,
und so darf man versuchen, unter Anleitung des Fachbereichsleiters Kultur bei
der Frankenpost, Herrn Michael Thumser, eine Rezension zum Besuch eines Theaterabends
zu verfassen. Die individuellen Talente dürfen im Rahmen eines Theaterworkshops,
aber auch eines selbständig gestalteten Abends unter Beweis gestellt werden.
Und so entwickeln sich während dieser Woche im Schülerheim in Pegnitz fast unbemerkt
neue Freundschaften. Der Horizont erweitert sich bei gedanklichem Austausch
und musisch-kreativem Zusammenspiel, und nicht nur beim abschließenden gemeinsamen
Grillabend beherrschen Spaß und Freude die Atmosphäre. Bei aller Herausforderung
bedeutet die Teilnahme am Ferienseminar für vielseitig interessierte und begabte
Gymnasiasten also ganz sicher auch ein bisschen Ferien.