10.-Klässler des BSG bannen Geschichte in den Schuhkarton
Der Deutsche Kaiser dankt ab, Hitler putscht, in Deutschland brennen Synagogen und Berliner tanzen auf der Mauer – dies alles geschah an einem 9. November.
Bad
Kötzting. Auf Empfehlung des Kultusministeriums sollen die Schüler an bayerischen Schulen sich anlässlich des 9. Novembers vertieft mit der deutschen Geschichte auseinandersetzen. Die Klassen 10c und 10d des BSG taten dies in ganz besonders kreativer Weise: In Vierergruppen wurde je ein Schuhkarton zu einer Bühne umgestaltet, auf die z.B. mit Knetmasse, Buntpapier, Filz, Draht und sogar mit zerbrochenen CDs historische Großereignisse gebastelt wurden. Zuvor hatten die Schüler mit Hilfe von Geschichtsdokumentarfilmen, Darstellungstexten und verschiedenen Quellen ihr Wissen über das jeweilige Thema aufgefrischt.

Das kreative Projekt im Fach Geschichte sollte dazu dienen, den Schülern die Kontinuitäten und Brüche der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts vor Augen zu führen, da sich jeweils an einem 9. November sowohl fatale, als auch erlösende Momente zugetragen haben.

1918 wurde unter der Schlagzeile „Der Kaiser hat abgedankt“ getitelt, dass die Monarchie in Deutschland zu Ende sei. Beinahe zeitgleich kam es zur Ausrufung der Republik in Deutschland durch Philipp Scheidemann, womit die Geburtsstunde der Weimarer Republik und damit einer parlamentarischen Demokratie eingeläutet wurde. Die Schuhkartons zur sogenannten Novemberrevolution bezogen sich nicht nur auf die Vorgänge an diesem Tag, sondern konnten auch die ambivalente Stimmung in der Bevölkerung einfangen.

Im Jahr 1923 versuchte sich der Vorsitzende der noch jungen NSDAP, Adolf Hitler, im Münchner Bürgerbräukeller durch einen Schuss in die Decke Gehör zu verschaffen, um die Regierung in Berlin für abgesetzt zu erklären und eine „nationale Diktatur“ auszurufen. Bereits wenige Stunden später gelang es den bayerischen Polizeikräften jedoch diesen Putschversuch blutig niederzuschlagen. Damit konnte der erste Versuch der Nationalsozialisten an die Macht zu gelangen abgewehrt werden. Die dazu gestalteten Schuhkartons zeigten entweder die spektakulären Vorgänge im Bürgerbräukeller oder die Auseinandersetzung der bewaffneten Aufständischen mit der Polizei vor der Feldherrnhalle.

Im kollektiven Gedächtnis der deutschen Nation sind allerdings noch weit tiefer die Ereignisse des 9. Novembers 1938 und des 9. Novembers 1989 verankert. Im Jahre 1938 kam es in der „Reichspogromnacht“ zu von der NSDAP organisierten, deutschlandweiten Ausschreitungen gegen Juden. Hunderte Menschen wurden ermordet, unzählige wurden Opfer von Misshandlungen und Demütigungen. Daneben fielen 1400 Synagogen, Geschäfte und Privatwohnungen von Juden Flammen oder Plünderungen zum Opfer. Letztendlich wurde in der Nacht von 9. auf den 10. November der Schritt von öffentlichen Ausgrenzungen und Diffamierungen der deutschen Juden hin zu offenen Gewaltmaßnahmen gemacht, die schließlich in der systematischen Ermordung von Millionen europäischer Juden ihren Höhepunkt erreichten. Den Schülern gelang es insbesondere hier beeindruckende Kunstwerke zu schaffen. So wurden beispielsweise brennende Synagogen, vor denen Schandmärsche abgehalten wurden, erschaffen. Eine andere Bühne gewährte einen zusätzlichen Blickwinkel, indem äußerst detailliert das Innere eines ausgebrannten und zerstörten jüdischen Gotteshauses gezeigt wurde.

Die Bilder des 9. Novembers 1989 sind den meisten Erwachsenen noch recht lebhaft in Erinnerung. Die heutige Schülergeneration kennt den Fall der Berliner Mauer jedoch nur aus Büchern, Filmen und Erzählungen. Die Gruppen, die sich mit den welthistorischen Vorgängen in Berlin beschäftigten, konnten sich glücklich schätzen, zudem einen Zeitzeugen befragen zu können. StR Karsten Nasdal, der den Tag des Mauerfalls in Berlin miterlebte, stand den Schülern Rede und Antwort und konnte in erster Linie die verschiedenen Emotionen der Menschen nachfühlbar machen. Dies spiegelte sich auch in den gestalteten Kartons wider. Durch bunte Farben und an der Mauer feiernde Menschen stellten die Schüler das Gefühl der Freiheit dar, dennoch wurde versucht, auch die Befürchtungen der Bevölkerung durch verschiedene darstellerische Mittel einzuarbeiten.

Bei der abschließenden Präsentation der Schülerarbeiten konnten die beiden Geschichtslehrkräfte StRefin Stefanie Alfter und StRin Verena Gust sehen, dass es ihren Schülern besonders gelungen war, wichtige Ereignisse der deutschen Geschichte in nur vier Schulstunden auf eine Bühne zu bannen.