NEWS - Ein Schulabend im Zeichen Heinrich Heines

 

Ein Schulabend im Zeichen Heinrich Heines

Bad Kötzting. (kds) Er kämpfte gegen die Zensur, gegen den Geist der Restauration, wollte eine Verfassung - in seinem Heimatland wurde Heinrich Heine Opfer der Zensoren und wanderte nach Paris aus. Bis an sein Lebensende in der "Matratzengruft" war seine literarische Schaffenskraft ungebrochen, seine Werke zählen heute zu den Bedeutensten der Welt.

150 Jahre nach seinem Tod lebten seine Ideen, Gedichte und Erzählungen beim Heine-Abend im Benedikt-Stattler-Gymnasium Bad Kötzting wieder auf - dargestellt durch Musik, kurze Sketche und Gedichtvorträgen.

In der Aula des Gymnasiums war es am Donnerstagabend dunkel. Langsam richtet sich der Scheinwerfer auf das Rednerpult. Zwischen roten Vorhängen erscheint Heinrich Heine in schwarzen Anzug und weißen Hemd - überzeugend gespielt von Christopher Weinfurtner (KS 13). Er beginnt als Sprecher die ersten Zeilen des bekannten Gedichts "Sie saßen und tranken am Teetisch" zu lesen. Der gedeckte Teetisch steht dabei vor dem Rednerpult, die anderen Personen des Gedichts sitzen um ihn herum und lassen den Dialog lebendig werden.

Danach wird es wieder dunkel, die Leinwand leuchtet auf: "Wichtige Frage, welche in heutiger Sitzung bedacht wird: Wie lange wird uns das Denken wohl erlaubt bleiben?", ist zu lesen. Daneben sitzt Heinrich Heine mit seinen Kameraden, die Münder zugeklebt. Sie können nur gestikulierend, tun dies aber dafür umso heftiger. In der stummen Szene wird die Situation Deutschlands in der Mitte des 19. Jahrhunderts deutlich: Forderungen nach einem deutschen Nationalstaat und demokratischen Freiheiten wurden in der Restaurationszeit unter dem System Metternichs unterdrückt, die Zensur eingeführt. Heines Werke fielen der Zensur zum Opfer, er ging nach Paris, um von dort aus die politische Situation zu kommentieren.

Einblicke in seine religiösen Ansichten bekam das Publikum im nächsten Sketch: Eine Studentin erzählte von Heines Religiosität und deren Auswirkungen auf sein Leben. Heinrich Heine war ursprünglich jüdischer Herkunft. In der Hoffnung auf bessere Anstellungschancen als Jurist trat er zum protestantischen Christentum über. Viele akzeptieren ihn trotzdem nicht, da er seine jüdische Tradition nie vertuschen konnte.

"Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin." Wer hört zu diesen Versen von Heine nicht die bekannte Melodie des Volksliedes "Die Loreley". "Die Loreley-Strophe war die Maske für unseren Auftritt", erläuterte Christiane Raab-Bauer, Leiterin der Theatergruppe. Die Schulspieler stellten den Vers szenisch dar und übertrugen ihn auf ihre Situation. Anschließend wurde das Lied unter Leitung von Elvira Frauendienst vom Chor gesungen, begleitet von einem Instrumentalensemble.

Nicht nur die Loreley sondern auch viele andere Lieder von Heine wurden vertont, vor allem von Schumann und Mendelson. Elvira Frauendienst sang, begleitet von Franz Frauendienst am Klavier, die gefühlvolle Ballade "Die Grenadiere", für die Robert Schumann die Musik geschrieben hat. Viel zu lachen hatte das Publikum bei der Umdichtung der Ballade "Belsazer". Zwei Schüler trugen abwechselnd die Originalfassung und ihre eigene Version vor - aus dem König Belsazer und seinen Untertanen wurden Lehrer und Schüler.

Großen Beifall erhielten die Schüler des Seminarfachs Theater für ihre Schwarzlichtaufführung des Gedichts "Der Schmetterling und die Rose". Als der weiße Schmetterling um die Rose tanzte, die er so liebte, wurde auch Heines Ironie und Kritik an der Romantik deutlich.

"Wir haben bewusst auf einen Moderator verzichtet", erklärte Hans Geißler, Fachbetreuer für Deutsch. "Die Szenen sollen aus sich selbst heraus sprechen." Und das taten sie auch. Nach gut einer Stunde ging der abwechslungsreiche Abend zu Ende, der viele Aspekte des deutschen Dichters dem Publikum näher brachte. Das gelungene Programm, aufgestellt von der Fachschaft Deutsch, vereinte Schüler aller Jahrgangstufen - von der Unterstufe bis zur Kollegstufe.

Zum Abschluss warteten Zwiebelkuchen und Zwiebelsuppe (gesponsert vom Waldschlössel) auf die vielen Besucher - typische Gerichte aus der Heines Wahlheimat Frankreich.


Daniela Steidl, Kötztinger Umschau