Integration ist am BSG eine Erfolgsgeschichte
Gelungene Veranstaltung zur Förderung der Toleranz
Bad
Kötzting. „Deutschland schafft sie ab: die Intoleranz. Ein Beitrag des BSG zu einer humaneren Gesellschaft.“ So lautete der Titel einer Veranstaltung, die kürzlich am Benedikt-Stattler-Gymnasium stattfand. Dabei erfuhren Zehnt- und Elftklässler viel über ihre Mitschüler mit Migrationshintergrund – und diese sprachen ihnen ein großes Kompliment aus: „Ihr habt alles mit uns sehr gut gemacht!“

Ein Poetry Slam ist ein modernes Gedicht, das vor einem interessierten Publikum vorgetragen wird. Shirley Ogolla hatte einen derartigen persönlichen Beitrag im Herbst des vergangenen Jahres zum Thema Integration anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der Stiftung Bildungspakt Bayern in München in der Staatskanzlei präsentiert und dabei OStD Günther Roith zugesagt, gerne auch einmal am BSG aufzutreten.

So konfrontierte die Tochter einer Deutschen und eines Kenianers die Bad Kötztinger Gymnasiasten mit ihrem Leben als Farbige in Deutschland, mit ihren Erlebnissen und Gefühlen einst in der Hauptstadt Berlin und jetzt auf dem Lande in der fränkischen Schweiz: „...Meine Mutter Deutsch-Afrikaner mein Vater ... Man gibt mir das Gefühl, ich hätt’ hier nichts verloren ... Zwei Kulturen in meiner Brust; ich weiß nicht, was ich bin: Deutsche, wie es in meinem Pass zu lesen steht - oder gehöre ich doch zu einem anderen Farbkreis? ... Ich schäme mich nicht mehr für meine Buntheit ... zwei Kulturen in meiner Brust ineinander verschmolzen wie das Schokoeis mit dem Vannilleeis in einer knusprigen Zimtwaffel.“

Das war der gelungene Auftakt für eine Veranstaltung, für die man bewusst den Titel „Deutschland schafft sie ab – die Intoleranz“ gewählt hatte. An der gymnasialen Bildungsstätte in Bad Kötzting wollte man den problematischen Thesen eines Thilo Sarrazin ganz bewusst etwas entgegensetzen. Dazu waren jungen Menschen aus vier Kontinenten in die Aula gekommen, neben der Oberstufenschülerin Ogolla vom Gymnasium Ebermannstadt eine Reihe von BSG-Schülern mit Migrationshintergrund, um ihren Mitschülern ganz einfach von ihrer Herkunft, ihrem Leben in Bad Kötzting und ihrer besonderen Situation zu berichten.

Mit geschickt gestellten Fragen brachten die SMV-Vertreter Verena Kroiß und Maximilian Wühr, die die Podiumsdiskussion souverän leiteten, die Diskussion in Gang. Das Ergebnis dieser Sonderveranstaltung am BSG kann man schon vorwegnehmen: Die jungen Menschen mit Migrationshintergrund fühlen sich nicht nur am Benedikt-Stattler-Gymnasium sehr wohl, sondern auch hier im Kötztinger Land. Integrationsprobleme, wie man sie aus den Medien kennt, haben sie nie kennen gelernt. Diese erfreuliche Situation ist aber ganz sicher auch darauf zurückzuführen, dass sie sich selbst von Anfang an alle Mühe gegeben haben, hier heimisch zu werden – in erster Linie dadurch, dass sie größte Anstrengungen unternahmen die deutsche Sprache zu erlernen.

Der Finne Simo aus der Klasse 9d fühlt sich inzwischen - sein bayerischer Zungenschlag unterstreicht es - pudelwohl im Landkreis Cham, obwohl er hier eine finnische Sauna schon ein bisschen vermisst. Ruhan, die heuer mit dem letzten G9-Jahrgang ihr Abitur ablegen wird, isst auch in Bad Kötzting lieber mit Stäbchen und denkt ständig an so manche chinesische Spezialitäten, die sie in den Ferien in Beijing genießt und hier nicht bekommt; aber sie ist sehr froh, dass sie in Bayern Schülerin sein darf und nicht dem unvorstellbaren Schulstress ausgesetzt ist, den z. B. ihre Cousine in China täglich mitmachen muss. Die gebürtige Kolumbianerin Vanessa – sie hat am BSG vor drei Jahren ihr Abi abgelegt – hat ein großes Kompliment mitgebracht. Aus Südamerika war sie ja zunächst nach Penzberg gekommen, dann erst in den Bayerischen Wald. Doch hier in Bad Kötzting sei man ihr deutlich offener begegnet als vorher in Oberbayern. Dorottya denkt zwar manchmal daran, dass sie später wieder nach Ungarn zurückkehren möchte; aber sie fühlt sich hier unheimlich wohl, bestens aufgenommen – und würde ihren Mitschülern gerne einmal die phantastischen ungarischen Trachten vorführen.
Im Verlauf der Diskussion gab es auch viel zu schmunzeln. So konnte man erfahren, dass die Deutschen, nicht nur die Bayern, in Afrika, Kolumbien, China, Ungarn und Finnland so ziemlich dasselbe Image genießen: Sie trinken Bier, essen Brezeln und haben dicke Bäuche. Und in Kenia wie in Finnland oder auch in China denkt man bei Deutschland selbstverständlich an das Oktoberfest. Andererseits wurde deutlich, dass derartige Klischees auch umgekehrt existieren. So wehrten sich z. B. YiFei und Ruhan gegen die Vorstellung, dass man in China vor allem Hunde und Katzen esse.

Shirley und Vanessa brachten während der Diskussion deutlich zum Ausdruck, dass sie wenig Verständnis für Menschen haben, die aus anderen Ländern nach Deutschland kommen und nicht bereit sind die Sprache des Landes zu erlernen und sich mit den hier üblichen Sitten und Gebräuchen vertraut zu machen. Nur so könne nämlich Integration gelingen.

Irgendwie hatten alle Teilnehmer an dieser Veranstaltung den Eindruck, dass die Integration der BSG-Schüler aus anderen Ländern schon deshalb so gut gelingt, weil ihre Zahl relativ klein ist. Die großen Probleme scheinen wirklich da zu entstehen, wo die Zahl der Migranten die der Einheimischen deutlich übertrifft. Möglicherweise liegt es aber doch an der hiesigen Bevölkerung, die vielleicht weltoffener ist, als man es ihr gemeinhin zutraut. So erklärten z. B. Ruhan und Dorottya ihren Mitschülern: „Ihr habt alles mit uns sehr gut gemacht.“ Und Sherley aus der Fränkischen Schweiz, die anderswo aufgrund ihrer Hautfarbe auch schon manch Unangenehmes erlebt hatte, schrieb OStD Roith gestern in einer E-Mail: „Mir hat die Zusammenarbeit mit dem BSG sehr viel Spaß gemacht und Sie können wirklich stolz auf Ihre toleranten Schüler sein.“