Lerntraining mit unseren Fünftklässlern
Bad
Kötzting. (kvk) Begabung ist unbestritten eine Voraussetzung für Schulerfolg.
Mindestens ebenso entscheidend sind jedoch Faktoren, die unabhängig von Begabung
sind, so z. B. alles, was man allgemein als individuelle Lernvoraussetzungen
bezeichnen kann. Zu diesen gehören an erster Stelle das Lern - und Arbeitsverhalten,
die Konzentrationsfähigkeit oder auch die Anstrengungsbereitschaft. OStRin Ingrid
Rauscher und StR z.A. Doris Lahner führten in den ersten Wochen dieses Schuljahres
in den fünften Klassen des Benedikt-Stattler-Gymnasiums die Schüler in das Fach
Lernen lernen ein.

Innerhalb des Lern - und Arbeitsverhaltens haben sich bestimmte Bereiche als
besonders wichtig für die Fünftklässler herauskristallisiert. Durch den Übertritt
an eine weiterführende Schule müssen sie sich zum Beispiel auf das Fachlehrersystem
umstellen. Der einzelne Lehrer weiß, wenn er seine Hausaufgabe stellt, nicht,
was seine Kollegen den Kindern zur häuslichen Arbeit aufgegeben haben. Damit
sieht sich der frisch gebackene Gymnasiast von Anfang an der Situation gegenüber,
bei der Anfertigung der Hausaufgaben die Planung der Abfolge selbst zu übernehmen.
Der erste Baustein im Fach Lernen lernen ist somit der Bereich "Hausaufgaben".
Dazu gehören Inhalte wie Schaffung einer störfreien Arbeitsumgebung, die Erstellung
einer Zeitplans, der auch die Zeitfenster für die überaus wichtigen Pausen vorsieht,
das Herausfinden der individuellen Leistungshochs und Leistungstiefs, verbunden
mit der Erkenntnis, dass schwierigere Aufgaben dann gemacht werden sollten,
wenn die Leistungskurve wieder nach oben geht.

Als weiterer nützlicher Baustein hat sich das "Vokabellernen" erwiesen. Viele
Kinder berichten, dass sie bereits vertraut sind mit der Handhabung einer Lernkartei.
Die Englischfachlehrer versuchen, die Kinder anzuleiten, wie Vokabeln mit Hilfe
des Karteikartensystems wiederholt und gefestigt werden können. Die Kinder sollen
zudem herausfinden, welche Art von Lerntyp sie sind, wie sie sich Wörter, Begriffe,
Zusammenhänge am besten merken können. Sie sollen aber auch anhand kleiner Lernexperimente
erfahren, dass das Gedächtnis die Dinge am besten speichert, die über möglichst
viele und verschiedene Lernkanäle aufgenommen wurden. All dieses wird vermittelt
in den Einheiten "Merktechniken" und "Lerntypentest".

Genauer betrachtet wird im Rahmen des Lerntrainings auch die mündliche Mitarbeit.
Die Kinder werden aufgefordert, über Gründe nachzudenken, warum sie sich manchmal
lieber nicht melden und welche Ängste oder Befürchtungen diesem Verhalten zugrunde
liegen. Meist stellen sie mit Verwunderung und Erleichterung fest, dass ihre
Mitschüler ähnliche Ängste haben wie sie, z. B. die Angst ausgelacht zu werden,
wenn man etwas Falsches sagt.

In einer Art Selbstevaluationsbogen protokollieren die Kinder über einen überschaubaren
Zeitraum hinweg ihre mündliche Mitarbeit, sie werten anschließend den Bogen
aus und formulieren schriftlich Vorsätze, was sie ändern wollen.

Die Bausteine des Faches Lernen lernen unterliegen keiner starren Systematik,
sie können den Bedürfnissen der Lerngruppe angepasst und beliebig ergänzt werden.
Der wesentliche Grundgedanke, auf dem das Lerntraining beruht, ist das Anbahnen
von Reflexion über das eigene Lernverhalten und die Anleitung zur eigenständigen
Strukturierung des Lern - und Arbeitsprozesses. Eine feste Verankerung im Stundenplan
der Fünftklässler ist für dieses Schuljahr vorgesehen.