Schüler regierten Regionen der Erde
Zehntklässler des Benedikt-Stattler-Gymnasiums drei Tage lang bei Planspiel in Kreuth

Wildbad/Kreuth. Johanna ist heute wieder als Schülerin aufgewacht, Julia gehen die Naturkatastrophen in Asien noch immer durch den Kopf und Milena rätselt, ob sie bei Vertragsverhandlungen nicht doch beharrlicher hätte auftreten sollen. Langsam müssen sich die Schülerinnen und Schüler der Klassen 10a und 10d des Benedikt-Stattler-Gymnasiums wieder an den Alltag daheim und in der Schule gewöhnen. Drei Tage lang hatten sie beim Planspiel POL&IS in Wildbad-Kreuth versucht die Probleme der Menschheit zu lösen.

Am Mittwoch hatten sich die 43 Schülerinnen und Schüler, die von ihrem Sozialkundelehrer Günther Roith und ihrer Deutschlehrerin Christina Pleyer begleitet wurden, im idyllisch gelegenen Bildungszentrum der Hanns-Seidel-Stiftung eingefunden. Man war gespannt, was man an dem Ort, den man bisher nur von den Fernsehnachrichten her kannte, erleben würde. Grund für die Exkursion war die Teilnahme am Planspiel POL&IS, das von Jugendoffizier Hauptmann Piermeier geleitet wurde. Mit welchen Erwartungen die Jugendlichen aus dem Kötztinger Land nach Oberbayern gereist waren, berichteten sie einer Studentin der Bundeswehrhochschule, die ihre Diplomarbeit über dieses Planspiel schreibt. Man habe gehört, dass es dabei sehr viel Gruppenarbeit gebe; darauf freue man sich. Man wolle einmal erleben, wie das so sei, Politiker zu sein, meinten einige. Andere sprachen die Hoffnung aus, politische Zusammenhänge kennen zu lernen. „Abwechslung vom Schulalltag“ wurde ebenfalls genannt und einige Schüler meinten einfach, sie wollten Spaß haben.

Inwieweit sich die Erwartungen der Schüler erfüllt haben, konnte die Studentin gestern feststellen, als sie die Gymnasiasten kurz vor dem Ende der Veranstaltung noch einmal befragte. Dabei wurde nur ein negativer Punkt genannt. Am Anfang sei das Ganze fürchterlich anstrengend gewesen. Es habe viel Zeit gebraucht, bis man mit den Spielregeln vertraut gewesen sei. Diese Kritik der Schüler ist gut nachvollziehbar – mussten sie sich doch intensiv in Bereiche einarbeiten, mit denen sie in ihrem bisherigen Leben nur sehr wenig zu tun hatten. Da galt es zunächst einmal die Regioneninformationen zu studieren. Die Erde ist vereinfacht in die elf „Länder“ Osteuropa, Afrika, Südamerika, Asien, Nordamerika, Westeuropa, Japan, Arabien, GUS, China und Ozeanien aufgeteilt und man musste sich, je nachdem, welches Los man gezogen hatte, genau in Staatsform, Regierungsziele und vieles mehr der jeweiligen Region einarbeiten. Da lernte man dann z. B., ob das Land eine Mehrparteiendemokratie ist wie Nordamerika oder ein Gebiet, in dem ein König unumschränkter Herrscher ist wie in Arabien. Für jede Region gab es einen Regierungschef, einen Staatsminister und einen Wirtschaftsminister. Letzterer musste sich z. B. intensiv mit der Frage beschäftigen, ob in seiner Region eine freie Marktwirtschaft vorherrscht wie in Nordamerika oder eine organisierte und gesteuerte Wirtschaft wie in China. Auch über die Ziele der jeweiligen Opposition hatte man sich kundig zu machen, ebenso musste man sich die Inhalte der wichtigsten Verträge, die ein Land einzuhalten hat, aneignen.

Nach diesem „trockenen Teil“ der Simulation konnte das Spiel richtig beginnen. Und die BSG-Schüler zeigten sich davon sehr angetan, wie sie der sie befragenden Studentin berichteten: POL&IS sei eine sehr gute Abwechslung zum Alltag in der Schule gewesen und man habe erstaunlich viel über die Regionen der Erde gelernt. Mit welcher Begeisterung man dabei gewesen sei, habe sich dadurch gezeigt, dass man beim Mittag- und Abendessen und auch noch danach intensiv an der Lösung der Probleme der Welt weitergearbeitet habe. Herausgehoben wurde weiter, das man an den Auswirkungen bestimmter Entscheidungen immer ziemlich schnell feststellen habe können, ob man seine Sache gut gemacht habe.
Neben den Vertretern der Regierungen übten sich einige Schüler als Weltpresse, andere gehörten zu den Nichtregierungsorganisationen und probierten aus, was man bewirken kann, wenn man sich z. B. als Greenpeace intensiv einmischt. Die UN-Vollversammlung wurde von Matthias als Generalsekretär geleitet und Johann repräsentierte die Weltbank.

Die Schüler machten nur ein Spiel. Dennoch bewegten sie sich immer in einem Bereich, der ganz nahe an der Realität war. Sie erlebten, dass auf der Welt ausreichend landwirtschaftliche Produkte vorhanden sind und trotzdem gehungert wird. Sie stellten fest, wie schwer in Südamerika der Kampf gegen den Drogenkonsum ist. Gedanken machten sie sich über das hohe Bevölkerungswachstum in Asien ebenso wie über die Erhaltung des Regenwaldes, auch über die grausame Realität von Kindersoldaten und über die Bemühungen um ein lebenswertes Leben für die Ureinwohner in Australien.

Anna ist jetzt nicht mehr Wirtschaftsministerin der GUS, Lisa nicht mehr Staatsministerin von Asien und Julian nicht mehr Regierungschef von Westeuropa. Doch sie und alle anderen teilnehmenden Schüler des BSG haben nun in einem Intensivkurs einen Einblick in die internationale Politik erhalten. Sie werden Fernsehnachrichten und Zeitungsberichte über außenpolitische Fragen künftig wesentlich besser verstehen. Die begleitenden Lehrkräfte waren übrigens sehr beeindruckt, wie überzeugend die Gymnasiasten als Redner vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen auftraten.