Theatergruppe aus Bad Kötzting an der DSTY
23 Gymnasiasten aus dem bayerischen Bad Kötzting weilten zehn Tage lang in
Japan

Bad
Kötzting. "Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben
seinen Wert geben", betonte vor 200 Jahren Friedrich Wilhelm von Humboldt. Diese
Aussage passt hervorragend zum Besuch einer Schülergruppe aus Bad Kötzting im
Bayerischen Wald an der Deutschen Schule Tokyo-Yokohama, der mit der Ankunft
in Japan am 25. März begann und mit dem Rückflug am 3. April zu Ende ging. Als
sich zufriedene Gastgeber und glückliche Gäste voneinander verabschiedeten,
waren sich viele von ihnen sicher, dass es vielleicht schon bald zu einem Wiedersehen
kommen wird.

Was eigentlich veranlasst eine Schülergruppe aus Deutschland, dem Land der aufgehenden
Sonne einen längeren Besuch abzustatten, dreimal dort Theater zu spielen und
eine Woche lang ein kleiner Bestandteil des Schullebens einer deutschen Auslandsschule
zu werden? Die Theatergruppe des Benedikt-Stattler-Gymnasiums (BSG) Bad Kötzting
hatte in den vergangenen Jahren große Erfolge erzielt; tragende Säulen der Schulspielgruppe
verlassen das Gymnasium mit dem Abitur im Juni 2010. Da war eine Belohnung für
die harte Arbeit über viele Jahre angebracht. Man dachte zunächst an eine Reise
nach Italien oder Finnland. Doch dann erinnerte man sich des ehemaligen BSG-Lehrers
Harald Pröm, der seit ein paar Jahren an der DSTY unterrichtet und schon vor
längerer Zeit eine Einladung nach Tokyo-Yokohama ausgesprochen hatte. So machte
man sich also auf nach Japan.

Monatelang wurden jetzt E-Mails ausgetauscht, OStR Pröm fragte nach den Wünschen
der Bad Kötztinger Gruppe, diese äußerte ihre Vorstellungen für die Exkursion
und bot gleichzeitig an, ihre Theaterarbeit einige Tage lang in den Schulalltag
der deutschen Auslandsschule zu integrieren.

Viele Fragen waren zu klären - doch im Zeitalter des Internets war das kein
großes Problem. Oftmals wurden zwischen Japan und Deutschland an einem Tag fünf
E-Mails hin- und hergeschickt, Harald Pröm bemühte sich um die Unterstützung
seiner Schulleitung, der Kollegen und des Schulvorstandes, während man in Bayern
nach finanzieller Unterstützung Ausschau hielt, um den Jugendlichen eine interessante
Exkursion bieten zu können, die für den Einzelnen auch finanzierbar war. Der
Landkreis Cham, die Stadt Bad Kötzting und der Elternbeirat halfen auf der einen
Seite, in Tokyo-Yokohama zeigte sich rasch eine überaus große Bereitschaft,
den Besuch der Gymnasiasten aus Bayern zu unterstützen. Dass sich die Reisekosten
am Ende für die bayerischen Schülerinnen und Schüler in Grenzen hielten, war
vor allem auch dem Entgegenkommen des Schulvorstandes der DSTY und der kostenlosen
Unterbringung zu verdanken.

Elementar war es, ausreichend Gastfamilien zu finden, die bereit waren, die
Mädchen und Jungen aus Bad Kötzting zehn Tage lang bei sich aufzunehmen. Hier
durfte sich OStR Pröm über ein großes Entgegenkommen vieler Schülereltern und
Kollegen der DSTY freuen; am Ende hätte man sogar noch eine größere Zahl an
Schülern aus Deutschland unterbringen können. Und die Schüler aus Bad Kötzting
fühlten sich in ihren Gastfamilien, in denen sie bestens umsorgt wurden, überaus
wohl. Ob es darum ging, sie zu bestimmten Zeiten zur U-Bahn zu bringen, sie
zu verpflegen, sie am Familienleben Anteil haben zu lassen - die Gasteltern
(und auch ihre Kinder) leisteten einen entscheidenden Beitrag, dass der Japanausflug
für das BSG ein so großer Erfolg werden konnte.

Die Bad Kötztinger weilten zwar nur eineinhalb Wochen in Tokyo-Yokohama. Dennoch
erfuhren sie in diesen Tagen weit mehr über Land und Leute, als dies bei einer
Indivi-dualreise oder bei einer der üblichen organisierten Gruppenreisen der
Fall ist. Auch das ist zu einem großen Teil das Verdienst der Gastfamilien,
die die Schüler aus Bayern an ihren zum Teil jahrelangen in Japan gesammelten
Erfahrungen partizipieren ließen. OStR Pröm (und seine Ehefrau, die ihn aktiv
unterstützte) tat hier mit seinen kompetenten Führungen ein Übriges.

Die Räume der Deutschen Schule wurden für die Gäste aus dem Bayerwald in der
Zeit ihres Japanaufenthaltes zu einer zweiten Heimat. Wenn man Lehrkräften begegnete,
ob man mit einem Wunsch an das Sekretariat herantrat, ob man die Schulleitung
um etwas bat oder in der Bibliothek die Computer zum Zwecke des E-Mail-Kontakts
mit daheim nutzen wollte - man fühlte sich immer willkommen und bekam stets
bereitwillig Unterstützung. Am 26. März lernten die bayerischen Gäste bei einer
Schulhausführung die DSTY näher kennen und OStD Dr. Szewczyk hieß die Gruppe
in der von den Bayerwäldlern so sehr bewunderten Aula herzlich willkommen.

Die Schülerinnen und Schüler aus dem Landkreis Cham wollten möglichst viel von
Tokyo und Yokohama und Umgebung kennen lernen. Doch sie waren nicht allein zum
Vergnügen nach Japan gekommen. Es war vereinbart worden, dass mit interessierten
Schülerinnen und Schülern und auch mit einigen Lehrkräften der DSTY aktive Theaterarbeit
betrieben werden soll. So gab es Workshops, in denen sich die BSG-Theaterleiterin,
Frau StDin Christiane Raab-Bauer, besonders engagierte. Dass dann bei der Theateraufführung
an der DSTY am 31. März ein gemeinsamer Auftritt der Schüler aus Bad Kötzting
und Tokyo-Yokohama möglich wurde, fand den besonderen Beifall der zahlreich
erschienen Besucher. Das moderne Stück "Deutsches Theater" kam gut an; die Truppe
aus dem Bayerischen Wald unterstrich mit einer großartigen Leistung, dass sie
nicht von ungefähr zweimal Bundespreisträger geworden war. Für sich geworben
hatte die Truppe bereits zwei Tage zuvor, als sie den gemeinsamen Wochenauftakt
der DSTY gestalten durfte. OStD Günther Roith, der Leiter des Bad Kötztinger
Gymnasiums, nahm diese beiden Termine auch zum Anlass, sich bei der Schulleitung
und dem Schulvorstand sowie bei OStR Pröm herzlich zu bedanken; ohne deren großes
Entgegenkommen hätte man die bisher größte Exkursion des BSG niemals wagen können.

Die Gäste aus Deutschland durften ihr Können auch bei der Deutschen Botschaft,
zu der sie auch OStD Dr. Szewczyk begleitete, zeigen. Auch dort wurden sie überaus
freundlich aufgenommen. Botschafter Dr. Volker Stanzel hieß die Schulspieler
in seinem Dienstzimmer herzlich willkommen, mit Kulturreferent Harald Gehrig
durften sie über die Aufgaben der Botschaft diskutieren, zudem wurde ihnen eine
Führung durch den Garten der Residenz geboten. Die jugendlichen Gäste bedankten
sich mit einer Aufführung, für die sie großen Beifall ernteten. Dass man am
1. April auch noch beim Goethe-Institut auftreten durfte, betrachtete man als
ganz besondere Ehre.

Trotz der intensiven Theaterarbeit war es den Bad Kötztingern vergönnt, zweimal
Onsen zu genießen, einen Blick von den Rathaustürmen in Shinjuku zu werfen und
gleich gegenüber hoch über der Stadt japanisch zu speisen. Man hat den Bronzebuddha
von Kamakura gesehen, Enoshima erlebt, den Mejii-Schrein durchschritten, mehrere
Hochzeiten im Vorübergehen gesehen und Omotesando erlebt. Odaiba und das Edo-Museum
rundeten das Programm ab. Dass man so viel von Tokyo-Yokohama erleben konnte,
hatte die Gruppe aus Bayern OStR Pröm zu verdanken, der in diesen Tagen Ansprechpartner
für alle nur denkbaren Fragen war.


Die
Eindrücke für die Besucher aus Deutschland waren überwältigend. Die ganz andere
Welt nahm sie gefangen: die jungen modisch gekleideten japanischen Mädchen,
die Disziplin in den U-Bahnen, die sauberen Straßen und Plätze, die 24 Stunden
lang geöffneten Geschäfte, die interessanten Getränkeautomaten, die Hilfsbereitschaft
der Menschen, die kleinen Einfamilienhäuschen neben den Wolkenkratzern, die
Geduld der Japaner, Erlebnisse mit Taxifahrern, die Menschenmassen allüberall
- und natürlich die Millionen Kirschblüten, die man bewundern konnte. Es war
- trotz der Kälte, mit der man nicht gerechnet hatte - ein guter Reisetermin
gewählt worden. Beeindruckt war man übrigens auch davon, wie in einem japanischen
Ballungszentrum, das von Millionen Menschen bevölkert wird, deutschen Schülern
vom Kindergarten bis zur letzten Jahrgangsstufe des Gymnasiums Schule einen
Lebensraum schafft, in dem man sich bestens aufgehoben fühlt.