NEWS - BSG-Schüler von der Schweiz tief beeindruckt

 

 

BSG-Schüler von der Schweiz tief beeindruckt

Schüleraustausch vermittelte interessante Einblick in das Land der Eidgenossen

Bad Kötzting/Bienne. Friedrich Dürrenmatt meinte in einem seiner letzten Interviews, das er der Zeit gab, die Schweiz sei praktisch und zweckmäßig – und ein wenig langweilig. Als wir, 12 Schülerinnen des Benedikt-Stattler Gymnasiums, StRin Simone Gruber und der Verfasser dieser Zeilen, OStR Walter Schmid, der als einziges männliches Mitglied der Reisegruppe zum Bersten bepackte Hartschalenkoffer auf die über den Zugabteilen angebrachten Gepäckvorrichtungen wuchten durfte, Anfang April wieder am Bahnhof in Furth im Wald eintrafen, konnten wir dem bedeutenden Schriftsteller aus der Schweiz eigentlich nicht zustimmen. Die reichen Eindrücke, die wir als Lehrer bzw. Schüler beim Gegenbesuch an der Partnerschule des BSG, dem Gymnasium Bienne/Biel, das wunderschön direkt am gleichnamigen See gelegen ist, nach Deutschland mitnahmen, verbaten eine solche Einschätzung.

Nach einer zehnstündigen Bahnfahrt über Karlsruhe und Basel kamen wir am Freitag, dem 25. März, am späten Nachmittag in Biel an, wo wir überaus herzlich empfangen wurden. Die Schülerinnen verbrachten das Wochenende in ihren Gastfamilien, meine Kollegin und ich nutzten die beiden freien Tage zu einer Besichtigung der Universitätsstadt Fribourg, deren Sehenswürdigkeiten uns von unserer Kollegin, Frau Antoinette Moser, die auf Schweizer Seite für das Austauschprogramm verantwortlich ist, gezeigt und kommentiert wurden und zu einer kleinen Wanderung hoch über der Stadt Biel. Schnell merkte man, dass sich die Geldbörse weitaus schneller leert, als man dies zu Hause gewohnt ist. Thomas Küng schreibt dazu in seiner beim Piper Verlag erschienenen Gebrauchsanweisung für die Schweiz: „Die Schweiz ist ein ausgezeichneter Beleg für die intuitiv plausible, aber nie schlüssig zu beweisende These, dass Geld und Ästhetik auf ebenso ungerechte wie innige Weise miteinander verbunden sind.“ Man solle sich aber nicht ärgern und es genießen, denn ein paar Tage könne man allemal mithalten, meint Küng, seine Behauptung abschwächend.

Am Montag trafen wir uns in der Schule wieder, tauschten Impressionen aus und wurden vom Direktor des französischen Gymnasiums herzlich empfangen. Wir erhielten Gelegenheit, den Unterricht in verschiedenen Klassen zu besuchen und merkten schnell, dass gewisse Dinge freizügiger gehandhabt werden als bei uns in Bayern. So ist der Gebrauch von Mobiltelefonen außerhalb des Unterrichts nicht untersagt und auch das Rauchen auf dem gesamten Schulgelände ist selbstverständlich.

Am nächsten Tag sorgte ein übereifriger Hase, der seine Unachtsamkeit mit dem Leben bezahlen musste,  für eine abrupte Änderung des vorgesehen Programms. Kurz nachdem wir frühmorgens mit dem Bus zu einer Besichtigung der Schokoladenfabrik in Broc aufgebrochen waren, überquerte das eben angesprochene Langohr eine enge Landstraße und wurde von einer uns entgegenkommenden Fahrzeuglenkerin erfasst. Die junge Frau war offensichtlich so konsterniert, dass sie für kurze Zeit die Kontrolle über ihren Kleinwagen verlor und unseren Bus seitlich rammte. Da wir die Fahrt nicht fortsetzen konnten, ging es auf Schusters Rappen zur nächsten Kleinstadt, wo wir unseren Ausflug mit der Bahn fortsetzten und schließlich mit geringer Verspätung bei Cailler, einem Hersteller feinster Schweizer Schokolade eintrafen. Wir erfuhren Wissenswertes über die Herstellung von Schokolade, konnten uns am Fließband über alle Schritte bis hin zur Verpackung der verführerischen Kalorienbombe informieren und zum Schluss einige Proben der köstlichen Pralinen zu uns nehmen. Den Nachmittag verbrachten wir in Bern, der deutschsprachigen Hauptstadt der Schweiz, wo uns unter anderem ein Besuch des Bundeshauses erwartete. Das Bundeshaus entspricht dem Bundestag in Berlin. Ein Führer informierte uns über Eckdaten der Geschichte des Landes. So blieben uns die wichtigen Jahreszahlen 1297 und 1848 ebenso im Gedächtnis wie die vier in der Schweiz vertretenen Sprachen, das Deutsche, Französische, Italienische und nur noch von einer Minderheit gesprochene Rätoromanisch. Man erfuhr, dass es in der kleinen Schweiz mehr Kantone als Bundesländer in Deutschland gibt und durfte auf den aus Holz gefertigten, antiquarisch anmutenden, aber durchaus gemütlichen Abgeordnetenbänken Platz nehmen. Der Tag schloss mit einem Blick auf den berühmten Bärengraben, wo sich eine Schwarzbärenfamilie auf einem Hang die Sonne auf den Pelz brennen ließ.

Am Mittwoch hatten wir Gelegenheit zu einer Besichtigung unserer Partnerstadt Biel. Herr Graf, ein Kunstlehrer am Gymnasium Biel nahm uns auf eine Stadtführung mit, bei der wir unter anderem Interessantes über die Bedeutung der Kanäle und die wichtigsten Industriezweige erfuhren. Biel ist ein Zentrum der Uhrenindustrie. So bedauert es manch patriotischer Stadtbewohner, dass der Stadtrat einst beschloss, eine große Uhr chinesischer Herkunft auf einem der zentralen Plätze zu installieren.

Bei der Fahrt zum olympischen Museum in Lausanne am Donnerstag lösten sich langsam die Nebelschwaden auf und gaben den Blick auf das Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau frei. Sublime Gefühle stellten sich ein, wohl nicht zuletzt angesichts der vielen Menschenleben, die die Eiger Nordwand schon forderte. Der Blick vom Eingang des olympischen Museums, den eine große Statue des Langstreckenläufers Emil Zatopek ziert, ist phänomenal. Schillernd breitet sich der Genfer See aus und im Hintergrund erheben sich schneebedeckte Bergriesen. Eine nette Dame führte uns durch das Gebäude und bei einem Rundgang, den man nach der offiziellen Führung selbst machen konnte, fielen Begeisterten des alpinen Skisports die Bretter von Markus Wasmeier auf, die dieser nach dem Gewinn seiner olympischen Goldmedaillen dem Museum zur Verfügung gestellt hatte. Der Nachmittag war einem Besuch der sehr alten Stadt Neuchâtel gewidmet. Leider ließ der einsetzende starke Regen keine längere Führung durch die Altstadt zu.

Am Freitag nahm man Abschied von einem Land, als dessen berühmtester Bewohner  einer Umfrage zufolge eine mythische Figur namens Wilhelm Tell gilt.