Trauerrede von OStD Günther Roith anlässlich des Todes von OStD i. R. Aribo Meindl
Liebe Frau Gertraud Meindl,
liebe Frau Sybille Meindl,
lieber Dominik und lieber Bastian,
liebe trauernde Angehörige,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Ehemalige unseres Gymnasiums,
meine Damen und Herren,
die Sie alle dem Verstorbenen die letzte Ehre erweisen.
Es ist noch nicht ganz 6 Jahre her, als ich Herrn Aribo Meindl in einer kleinen Runde zu seinem 80. Geburtstag gratulieren durfte. Zusammen mit anderen äußerte ich damals die Hoffnung, dass sich seine gesundheitliche Situation wieder bessern und es ihm vergönnt sein möge, zusammen mit seiner lieben Gattin noch weitere gemeinsame glückliche Jahre verbringen zu können.

Der Wunsch ging leider nicht in Erfüllung. So manche Krankheit kam über ihn, immer mehr machte ihm der rasch zunehmende Verlust seiner Sehfähigkeit zu schaffen, weitere Leiden, die ein zufriedenes Leben im Alter immer mehr einschränkten, kamen hinzu. Diese schwierige Zeit für ihn mit Sinn zu erfüllen, war das große Anliegen seiner Familie, allen voran seiner geliebten Ehefrau Gertraud. Nachdem ihn in den letzten zwei Wochen die Kräfte vollends verließen, verstarb Aribo Meindl in der Nacht vom 8. auf den 9. November – bis zum Schluss bestens umsorgt von seinen Lieben.

In diesem von mir eben geschilderten Lebensabschnitt bekam Herr Meindl immer wieder auch Besuch von ehemaligen Schülern und selbstverständlich von Mitgliedern seines Lehrerkollegiums. Sie alle bedauerten bei diesen Begegnungen zwar, dass ihr ehemaliger Lehrer oder Chef nur noch ganz selten anhob zu sprechen – gleichwohl spürten sie, wie dankbar er für diese Besuche war und wie angenehm er es empfand an frühere gemeinsame Zeiten erinnert zu werden.

Für mich hatten diese gemeinsamen Zeiten erst im Jahre 2001 begonnen, als ich die Leitung des Benedikt-Stattler-Gymnasiums übernehmen durfte. Und obwohl ich erst 13 Jahre nach der Pensionierung von Herrn Meindl an diese Schule gekommen war, war es mir noch vergönnt, ihn, meinen Vorvorgänger, ziemlich genau kennen zu lernen. Bis zum Jahre 2004 besuchte der ehemalige BSG-Direktor Meindl fast einmal wöchentlich seine ehemalige Schule. Er wechselte ein paar nette Worte mit den Sekretärinnen, fragte den neuen Schulleiter, wie es denn mit der Sanierung vorangehe oder welche neuen Pläne das Kultusministerium schmiede. Er freute sich über einen Gedankenaustausch mit seinen langjährigen Mitarbeitern in der Schulleitung und suchte auch das Lehrerzimmer auf, um sich mit älteren Lehrkräften über die Anfänge des Kötztinger Gymnasiums zu unterhalten. Dass er sich dabei von den Mathematik-Kollegen immer wieder auch über den aktuellen Lehrstoff in diesem Fach unterrichten ließ, hatte einen besonderen Grund: Sogar als fast 80-jähriger erteilte Herr Meindl noch Nachhilfeunterricht und half damit so manchem Gymnasiasten über die Hürden. Wir am BSG freuten uns jedenfalls über all diese Besuche, vor allem auch darüber, dass Herr Meindl unsere Einladungen zu Abiturfeiern, Theateraufführungen und Schulkonzerten stets sehr gerne annahm.

Diese intensive Kontaktpflege so lange nach Beendigung der aktiven Dienstzeit mag manchen etwas verwundern. Wer aber weiß, was dieses Gymnasium für Aribo Meindl wirklich bedeutete, wird sehr gut verstehen, dass er sich auch noch 15 Jahre nach seiner Pensionierung dafür interessierte, seine weitere Entwicklung aufmerksam verfolgte und sich über jeden Erfolg der Schule von Herzen freuen konnte.

Das Benedikt-Stattler-Gymnasium war und ist untrennbar mit dem Namen Aribo Meindl verbunden – und es wird auch in Zukunft untrennbar mit seinem Namen verbunden sein.

In den 60er Jahren lag das damals noch von großer Arbeitslosigkeit geplagte Kötzting inmitten der ostbayerischen Bildungswüste, in der es kaum eine höhere Schule gab. In dieser Gegend ein Gymnasium zu errichten, erschien zwar gesellschaftlich sinnvoll und zweckmäßig, die Verantwortung für den Aufbau zu übernehmen, erforderte allerdings Mut. Aus Berchtesgaden kam der Lehrer Aribo Meindl in den Bayerischen Wald und begann in Kötzting im Jahre 1967 mit dem Schulbetrieb – unter Umständen, die sich die Schüler und auch die vielen jungen Lehrer, die heute tagtäglich in einem vorbildlich sanierten Gebäude lernen und lehren, auch nicht annähernd vorstellen können. Mit den Stichworten Raumnot, Lehrermangel, Einführung der Kollegstufe, Kampf um Errichtung eines eigenen Schulgebäudes und Angliederung eines neuen Schulzweiges sind nur ein paar Problemfelder erwähnt, die der Gründungsdirektor des Bad Kötztinger Gymnasiums zu beackern hatte. Herr Meindl bewältigte all das vorbildlich und mit bewundernswertem Einsatz. Hervorzuheben ist, dass er bei seinem Wirken als Leiter des Benedikt-Stattler-Gymnasiums in keiner Weise dem damals noch weit verbreiteten Bild des gefürchteten Direktors und strengen Behördenleiters entsprach. Das Wirken von Aribo Meindl am BSG in Kötzting war gegenüber seinen Schülern geprägt von einem hohen pädagogischen Ethos; die schulische und persönliche Entwicklung aller seiner Gymnasiasten, die er liebevoll umsorgte, lag ihm stets am Herzen. Und seinen Lehrern brachte er großes Vertrauen entgegen und gewährte er Freiräume, die ihre Freude am Beruf förderten, sie auch zu außerunterrichtlichem Engagement motivierten und so die Schule spürbar voranbrachten. Als Aribo Meindl im Jahre 1988 in den verdienten Ruhestand trat, hatte er sein Feld bestellt. In einer schwierigen Zeit hatte er mit großem Einsatz und mit einer glücklichen Hand ein Gymnasium aus der Kindheit über die Jugendzeit ins Erwachsenenalter geführt. Bei allem, was wir in den vergangenen Jahren am BSG an innerer Schulentwicklung erreicht haben, bleibt festzuhalten: Die Grundlagen dafür wurden während der 21-jährigen Amtszeit von Aribo Meindl geschaffen.

Diese große Lebensleistung nötigt einem besonders großen Respekt ab, wenn man bedenkt, dass sie von einem Mann erbracht wurde, dem in seiner Jugend weder Reichsarbeitsdienst noch Einsatz an der Ostfront, Verwundung und Kriegsgefangenschaft erspart worden sind, von einem Mann, der seine gymnasiale Laufbahn unterbrechen musste und erst zwei Jahre nach dem Krieg in seiner Heimat Thüringen das Abitur nachholen konnte, um dann in Regensburg und Würzburg in der kürzestmöglichen Zeit Mathematik und Physik für das höhere Lehramt zu studieren. Windsbach und Königsfeld im Schwarzwald waren die ersten Stationen in einem bewegten Lehrerleben, das seine Fortsetzung elf Jahre lang an der Jugenddorf-Christophorus-Schule in Berchtesgaden fand. Dann erfolgte der Aufbruch nach Kötzting, wo Aribo Meindl seine große Lebensaufgabe fand.

Wenn wir heute von der BSG-Schulfamilie sprechen, dann tun wir das auch in dem Bewusstsein, dass er es war, der die Voraussetzungen für das vertraute und ehrliche Miteinander von Schülern, Lehrern und Eltern geschaffen hat. Dieses Miteinander zu bewahren ist das Vermächtnis von Aribo Meindl, der bei seinem Abschied von der Schule einen Wunsch geäußert hat, den wir gerne als Auftrag verstehen wollen. „Mein größter, wohl auch verständlicher Wunsch ist es“, schrieb er 1988 im Jahresbericht, „dass alle in Zukunft am Kötztinger Gymnasium tätigen Menschen, ganz gleich welchen Alters und an welcher Stelle, ihre ganze Kraft dafür einsetzen, jungen Menschen eine gesunde und vernünftige Basis für ihre Zukunft zu verschaffen.“

Die Schulfamilie des Benedikt-Stattler-Gymnasiums ist Aribo Meindl dankbar für alles, was er als Schulleiter und auch noch in der Zeit danach für unser Gymnasium und für viele Menschen persönlich getan hat. Wir verneigen uns vor seinem Lebenswerk und werden dem Verstorbenen stets ein ehrendes Andenken bewahren.