Unsere Nachbarn verstehen lernen
Schüler des BSG hatten die Gelegenheit im Rahmen eines Austauschprogramms
mit Tschechien, Land und Leute kennen- und besser verstehen zu lernen.
Bad
Kötzting. Montag, 22. September Bedeckter Himmel. Graue Wolken, die unmittelbar
bevorstehende Regenschauer erahnen lassen. Trotz dieser widrigen Bedingungen
sitzen wir - d.h. neun Schülerinnen und Schüler des Benedikt-Stattler-Gymnasiums
Bad Kötzting mit ihrem Begleiter OStR Walter Schmid - gutgelaunt und erwartungsvoll
im Zug, der uns nach einer siebenstündigen Fahrt an unser Ziel, die nordmährische
Partnerstadt Orlová im Dreiländereck Slowakei, Polen, Tschechien, bringt. Schon
zum fünften Mal ist es gelungen, eine kleine deutsche Schülergruppe für ein
Austauschprogramm mit unserem Nachbarn im Osten zu begeistern - eine Öffnung
nach Osten, die dem Gedanken der Völkerverständigung auch mit Staaten, die durch
den Eisernen Vorhang lange Zeit unzugänglich schienen, Rechnung trägt. Die Begrüßung
ist herzlich. In kürzester Zeit haben sich die deutschen und tschechischen Partner
gefunden und sehen einem ereignisreichen ersten Abend entgegen. Die Hoffnung
auf eine baldige Wetterbesserung ist allen Teilnehmern gemeinsam.

Dienstag, 23. September Leider erfüllen sich unsere Erwartungen nicht,
denn auch an den folgenden drei Tagen dominieren niedrige Temperaturen, ein
bedeckter Himmel und gelegentliche Niederschläge. Wir treffen uns, wie auch
an den folgenden Tagen, um 9 Uhr morgens im sehr modernen Gymnasium von Orlová,
das aufgrund seiner Architektur - es stellt ein Schiff dar - schon mehrfach
ausgezeichnet wurde. Der Direktor der Schule, Herr Pavel Kubínek, empfängt uns
in der neu gestalteten Aula des Gymnasiums und verleiht seiner Freude Ausdruck
über den Besuch aus Bayern, eine Gegend, die er 2005 im Rahmen des zweiten Austauschprogramms
selbst besucht und liebgewonnen hat. Zusammen mit der die tschechischen Schüler
betreuenden Lehrkraft, Frau Jitka Sekerova, wünscht er uns einen schönen Aufenthalt
und positive Erfahrungen. Anschließend werden wir von den tschechischen Partnern
durch die Schule geführt und erfahren viel Wissenswertes über Geschichte, Ausbildungsrichtungen
und Räumlichkeiten der Schule. Das Mittagessen nehmen wir gegen 12.30 Uhr ein
und erfahren, dass die Schüler dafür nur 1 Euro bezahlen müssen. Nachmittags
brechen wir zu unserem ersten Ausflug auf. Das Ziel ist das Bergbaumuseum in
Ostrava, der drittgrößten Stadt Tschechiens. Da die Gegend um Ostrava, besonders
die Städte Karvina, Orlova und Havirov lange Jahre vom Kohleabbau geprägt waren,
bis man wegen der Konkurrenz aus Polen nicht mehr wettbewerbsfähig war und viele
Gruben geschlossen werden mussten, erscheint es sinnvoll, die Lebens- und Arbeitsbedingungen
der Bergarbeiter kennen zu lernen. Besonders der Besuch eines Bergwerkstollens
hinterlässt einen bleibenden Eindruck bei den deutschen Schülern.

Mittwoch, 24. September Wir trotzen weiterhin den klimatischen Widrigkeiten
und treffen uns um 9 Uhr zu unserer Projektarbeit im Gymnasium. Thema ist der
Prager Frühling. Zu unserem großen Erstaunen verbindet Frau Sekerova mit dem
Begriff Prager Frühling, der uns als Inbegriff des Strebens nach demokratischen
Reformen in der Tschechoslowakei im Jahre 1968 bekannt ist, mit einem jährlich
stattfindenden Musikfestival, das zu Ehren des 1884 verstorbenen Komponisten
Smetana ins Leben gerufen wurde. Kurzentschlossen bilden wir zwei Gruppen, die
sich mit dem Volksaufstand 1968 auseinandersetzen und eine Gruppe, die Recherchen
über das Festival anstellt. Die Informationen werden zusammengetragen, auf Poster
übertragen und mit Bildern veranschaulicht. Nachmittags fahren wir erneut in
die wegen des Kohlebergbaus sogenannte schwarze Stadt Ostrava und besichtigen
dort die in den letzten Jahren von Grund auf sanierte Burg, in der heute zahlreiche
öffentliche Veranstaltungen stattfinden. Danach besuchen wir einen Park im Zentrum
von Ostrava, in dem zahlreiche Miniaturen berühmter Bauwerke aus der ganzen
Welt, wie auch die sieben Weltwunder zu sehen sind.

Donnerstag, 25. September Regen. Der geplante Ganztagesausflug, der im
Zeichen einer längeren Wanderung im nahegelegenen Mittelgebirge Beskiden stehen
sollte, fällt buchstäblich ins Wasser. Eine Alternative bietet der Besuch des
Schlosses von Hradec nad Moravici. Dort zeigt uns eine tschechische Führerin
die prachtvollen Räume, in denen auch Ludwig van Beethoven einige seiner Werke
komponierte. Prachtvolle Cembali, Stühle aus Ebenholz mit Elfenbein und Gemälde
von namhaften Malern wie Oskar Kokoschka zieren Räume und Wände. Ein reizvoller
Spaziergang im Garten des Schlosses bleibt uns natürlich wetterbedingt verwehrt.
Anschließend fahren wir in die Universitätsstadt Opava, in der wir uns frei
bewegen dürfen.

Freitag, 26. September Der Wettergott hat ein Einsehen. Die Sonne durchbricht
am letzten Tag unseres Aufenthalts in Orlová die Wolken. Wir beenden unser Projekt
zum Prager Frühling und präsentieren die Ergebnisse vor unseren Lehrern und
Mitschülern. Dann werden noch ein paar Gruppenfotos gemacht und wir freuen uns
auf den Nachmittag, den wir alleine gestalten dürfen. Einige von uns gehen ins
Hallenbad, andere zum Hochseilpark und Golfplatz, wieder andere spielen Bowling
oder Fußball. Abends treffen sich viele von uns in der Discothek.

Samstag, 27. September Time to say goodbye. Wir müssen packen. Der Abschied
fällt natürlich schwer, denn unsere tschechischen Freunde, die immer für uns
da waren und unseren Aufenthalt zu einem sehr schönen Erlebnis machten, kommen
voraussichtlich erst im Mai nächsten Jahres zum Gegenbesuch nach Bad Kötzting.
Der Zug fährt um 11.34 Uhr in Bohumin ab und noch während unserer Heimfahrt
schmieden wir Pläne zur Gestaltung des Programms im Bayerischen Wald.