NEWS - BSG-Schüler bauen Brücken nach Osteuropa

 

 

Umwelt, Presse und internationale Begegnung

Was Bad Kötztinger Gymnasiasten in der Oberlausitz außerhalb des Klassenzimmers lernten

Bad Kötzting/St. Marienthal. Hinter 18 Schülerinnen und Schülern des Benedikt-Stattler-Gymnasiums liegt eine außergewöhnliche einwöchige Exkursion. Am Montag dieser Woche stieg man nach achtstündiger Zugfahrt an einem polnischen Bahnhof aus, begab sich dann in das internationale Begegnungszentrum St. Marienthal in der Oberlausitz, lernte die Städte Ostritz und Görlitz kennen und begegnete der Partnerschule aus Bundpest, mit der noch ein Schüleraustausch bevorsteht. Gemeinsam mit den ungarischen Schülern beschäftigte man sich mit Umweltfragen und lernte Grundsätzliches über die Pressearbeit.

Warum nehmen Schüler aus dem ostbayerischen Bad Kötzting die weite Reise in den äußersten Osten Deutschlands auf sich, um sich dort in der Abgeschiedenheit eines Zisterzienserinnenklosters mit Umwelt- und Medienfragen auseinanderzusetzen? Vor zwei Jahren war das Benedikt-Stattler-Gymnasium zusammen mit 20 osteuropäischen und 20 deutschen Schulen in das Projekt „Umwelt baut Brücken“ aufgenommen worden, das vom Medieninstitut IZOP und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt getragen wird. Ziel des Projekts ist es, bei jungen Menschen den Umweltgedanken zu fördern und Begegnungen zwischen Jugendlichen aus unterschiedlichen Ländern zu ermöglichen.

Das Benedikt-Stattler-Gymnasium hatte das Glück, als Partner ein Traditionsgymnasium in Budapest zugewiesen zu bekommen, mit dem schon zweimal ein interessantes Programm durchgeführt werden konnte. Im dritten Projektjahr entschloss man sich am BSG, die Unternehmung intensiver in das Unterrichtsprogramm einzubinden.  In der neuen gymnasialen Oberstufe gibt es Projekt-Seminare, die den Schülern helfen sollen, wichtige Kompetenzen im Bereich der Berufs- und Studienorientierung zu erwerben. Am BSG wurde nun eines der Seminare mit dem Medienprojekt „Umwelt baut Brücken“ gekoppelt, wodurch Schüler der 11. Jahrgangsstufe die einmalige Gelegenheit haben, im Rahmen ihres Seminars – übrigens kostenlos - auch an einem internationalen Schüleraustausch teilzunehmen.

Im ersten Teil des Projekts trafen sich nun die Jugendlichen aus Bad Kötzting und Budapest im Internationalen Begegnungszentrum Ostritz St. Marienthal. Dass sie nach einer langen Reise durch die Bundesrepublik plötzlich im polnischen Krzewina Zgorzelecka ausstiegen, um nach einer Brückenüberquerung gleich wieder in Deutschland zu sein, war rasch erklärt. Die Zugstrecke Görlitz-Zittau verläuft zum Teil auf der östlichen Seite der Neiße – und dieses Gebiet gehört heute zu Polen, weshalb sich die sächsischen Ostritzer an ihren Bahnhof auf polnischer Seite gewöhnen mussten.

Am ersten Tag im Begegnungszentrum St. Marienthal stellten sich die beiden Schulen mit Präsentationen gegenseitig vor. Die Bad Kötztinger hatten sich dabei etwas Besonderes ausgedacht und machten die Budapester Gymnasiasten gleich dreisprachig mit ihrer Schule bekannt: auf bayerisch, auf deutsch und – eine teilnehmende BSG-Schülerin ist eine gebürtige Ungarin – auf ungarisch. „Wie begegnet euch Europa im täglichen Leben?“ oder „Sollte es in Europa eine Einheitssprache geben?“ und ähnliche Fragen wurden dann intensiv von national gemischten Schülerpaaren diskutiert; so kam man sich rasch näher und die Voraussetzungen für eine Woche gemeinsames Arbeiten waren geschaffen.

Wie traumhaft die Stadt Görlitz inzwischen restauriert wurde, konnten die Bad Kötztinger Schüler bei einer Stadtführung sehen. Doch dieses Juwel hat auch eine Kehrseite. Die Einwohnerzahl sinkt immer noch und die Arbeitslosenquote liegt bei 20 Prozent, weshalb ein großer Teil der jungen Menschen abwandert.

Für Elftklässler eines Gymnasiums ist die DDR Geschichte, die weit zurückliegt. Am Umwelttag wurde sie durch den Vortrag von Steffen Blaschke noch einmal lebendig. Er berichtete von der katastrophalen Umweltverschmutzung durch die Braunkohle „im schwarzen Dreieck“ der Oberlausitz, von den nicht vorhandenen Kläranlagen und davon, wie das Wasser der Neiße einmal rot, einmal gelb gefärbt war – je nachdem, was Industriebetriebe dort an Abwässern eingeleitet hatten. Heute aber gibt es hier die Energie-ökologische Modellstadt Ostritz, die allen ihren Einwohnern durch Wind-, Sonnen- und Wasserenergieerzeugung sowie durch ein Biomasseheizkraftwerk ausreichend Strom und Heizwärme liefert. Die Schüler aus Bad Kötzting und Budapest lernten hier ein Modell kennen, das gerade nach dem Atomausstieg auch anderswo Zukunft haben könnte. Viele hörten an diesem Tag erstmals auch, was eine Pflanzkläranlage ist und erfuhren ganz nebenbei, dass sich in der Neiße, die zur Zeit der Wende biologisch praktisch tot war, inzwischen wieder 32 Fischarten tummeln. Allerdings ist trotz dieser erfreulichen Entwicklung im Umweltbereich nicht alles rosig in Ostritz. Von den einstmals 4000 Einwohnern leben nur noch 2600 hier, überwiegend alte Menschen.

Zwei weitere Schwerpunkte hatte das Seminar noch. Bei einer Klosterführung durch Steffen Blaschke, den seine Zugehörigkeit zum katholischen Glauben und die Weigerung an der DDR-Jugendweihe teilzunehmen einst um den Besuch des Gymnasiums gebracht hatte, lernten die Schüler das Kloster St. Marienthal mit seiner abwechslungsreichen Geschichte genauer kennen. Und am Donnerstag ging es dann um das Einüben journalistischer Darstellungsformen. Schließlich gilt es im Rahmen des Austauschprogramms sich einen Tag lang einem Umweltthema zu widmen, intensiv zu recherchieren und dann eine lebendige Seite in der Mittelbayerischen Zeitung zu gestalten. Doch bis dahin ist noch ein wenig Zeit. Nach Budapest reisen die BSGler nämlich erst im März und die Ungarn kommen im Mai – selbstverständlich zur Pfingstrittzeit - nach Bad Kötzting. Übrigens gab es für die Schülergruppe aus Bad Kötzting auf dem Heimweg noch ein ganz besonderes Schmankerl. In Dresden unterbrach man die Zugfahrt für vier Stunden und tauchte bei einer Stadtbesichtigung ein in die Schönheit der so wunderbar restaurierten sächsischen Landeshauptstadt.