Wo Kultur und Unkultur spürbar wird - Studienfahrt des BSG nach Weimar
Bad
Kötzting: (kvk) Den herrlichen Blick über den herbstlich bunten Thüringer Blätterwald
ließen die Schüler der Geschichtsleistungskurse und des Deutschleistungskurses
des Benedikt-Stattler-Gymnasiums Bad Kötzting auf der ersten Station ihrer Studienfahrt
durch Thüringen und Sachsen von der Wartburg schweifen, wohl wissend, dass auf
diesem trutzigen Hügel schon Martin Luther, wo er als Junker Jörg Zuflucht gefunden
und in nur drei Monaten das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche
übersetzt hatte, gestanden hatte. Die Fahrt führte weiter über die thüringische
Hauptstadt Erfurt nach Weimar.

"Weimar ist eigentlich ein Park, an dem eine Stadt liegt …", befand einst der
Historiker und Schriftsteller Adolf Stahr, und auch heute noch ist Weimar ein
märchenhaftes Weltdorf inmitten des grünen Herzens Deutschlands. Davon durften
sich die Schülerinnen und Schüler bei der Erkundung der Stadt und der Wohnhäuser
der deutschen Dichterfürsten Goethe und Schiller überzeugen. Auf eindrucksvolle
Weise konnte man in eine Zeit eintauchen, die 200 Jahre zurückliegt und ein
Bild der Lebensweisen von zwei so großen Männern wie Goethe und Schiller gewinnen,
die sich zwar wesentlich unterschieden, doch in ihrer Liebe zur Literatur ein
gemeinsames Band fanden. Der Mythos vom armen Schiller wurde zerstört und die
universale Begabung Goethes wurde anhand der Exponate in seinem Haus augenscheinlich.
Im Rahmen einer Vorlesung verdeutlichte ein Dozent der Universität Jena die
Ideen, welche in den Werken beider Dichter offenkundig werden, wobei die Fahrtteilnehmer
in die Rollen von Iphigenie, Thoas oder Orest schlüpfen durften. Am Abend bot
ein Spaziergang Gelegenheit Weimar in seinem nächtlichen Charme kennen zu lernen
und den Klängen eines Klavierkonzertes vor der Musikhochschule zu lauschen.

Bereits von weitem konnten die Schülerinnen und Schüler am darauf folgenden
Tag die martialischen Ausmaße des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig erkennen,
das anlässlich des hundertsten Jubiläums des erfolgreichen Freiheitskampfs gegen
die napoleonische Fremdherrschaft in Deutschland und Europa im Jahre 1913 eingeweiht
worden war.

Beim Besuch des MDR Leipzig konnte ein Blick hinter die Kulissen eines Fernsehsenders
geworfen werden, Schülerinnen und Schüler probierten sich in der Rolle eines
Nachrichtensprechers, trafen die Darsteller der beliebtesten Arztserie im deutschen
Fernsehen, "In aller Freundschaft", sahen sich in Produktionshallen um und speisten
neben Schauspielern, Regisseuren und Kameramännern.

In der sportbegeisterten Stadt Leipzig durfte eine Stippvisite im Zentralstadion,
Ort denkwürdiger Europapokal- und Weltmeisterschaftsspiele, nicht fehlen. Eine
Stadtführung brachte den Teilnehmern die Ereignisse der friedlichen Revolution
von 1989 näher und machte mit den Wahrzeichen der sächsischen Stadt wie der
Nikolaikirche, dem Gewandhaus, der Thomaskirche, dem Bahnhof und Auerbachs-Keller,
wo einst Goethe die Abende seiner Studentenzeit verbracht und den er in seinem
Werk Faust weltberühmt gemacht hatte, bekannt.

Während man bis dahin im Verlauf der Exkursion Weimar als die Kulturstadt, in
der der Geist der deutschen Klassik, der Weimarer Republik und der Bauhaus-Ära
lebendig ist, erleben durfte, stand am letzen Tag der Besuch einer Stätte der
Unkultur, das Konzentrationslager Buchenwald, nur wenige Kilometer außerhalb
Weimars auf dem Programm. Auf dem ehemaligen Exerzierplatz, von dem man die
zynische Inschrift über dem Lagertor "Jedem das Seine" noch heute lesen kann,
in den Gefängniszellen, dem Desinfektionsgebäude und dem Krematorium konnten
die Schülerinnen und Schüler einen Eindruck der menschenverachtende Zeit erhalten,
in der der Wert eines Menschen, der den Vorstellungen der nationalsozialistischen
Machthaber nicht entsprach, nur nach seiner Arbeitskraft bemessen wurde. Beeindruckt
waren die Fahrtteilnehmer von der das ganze Jahr auf 37 Grad aufgeheizten Gedenkplatte
für die Opfer des Terrorregimes, die als Symbol für Gleichheit aller Menschen
jenseits von Ideologien steht.