Hausaufgabenbetreuung am Benedikt-Stattler-Gymnasium
1. Die aktuelle Situation
Am Bad Kötztinger Gymnasium gibt es zur Zeit an vier Wochentagen eine Hausaufgabenbetreuung.
Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag können Schülerinnen und Schüler in
der Schule bleiben und in einem eigens dafür eingerichteten Raum ihre Hausaufgaben
anfertigen. Betreut werden die Mädchen und Jungen dabei von qualifiziertem
Lehrpersonal. Die Hausaufgabenbetreuung am BSG ist kostenlos.

Unmittelbar nach dem Unterricht haben unsere Gymnasiasten Gelegenheit im
va bene
ein gutes und preisgünstiges Mittagessen einzunehmen. Dann begeben sie sich
in den Hausaufgabenraum und beginnen zu arbeiten. Zwischendurch können sie sich
bei sportlichen Übungen unter Aufsicht von Fachlehrern entspannen.
Sind sie mit den Aufgaben fertig, wird ihnen oftmals die Möglichkeit gegeben
im Fachbereich Physik unter Aufsicht eines Fachlehrers zu experimentieren;
außerdem stellte der Elternbeirat der Schule interessante und sinnvolle Spiele
zur Verfügung, mit denen sich die Schülerinnen und Schüler nach Abschluss
ihrer schulischen Arbeit beschäftigen können.

Wir freuen uns, dass unser Angebot, vor allem von Gymnasiasten aus der
Unterstufe, so gut angenommen wird. Je nach Wochentag nehmen ein Dutzend
bis 30 Schülerinnen und Schüler an der Hausaufgabenbetreuung teil.

Die Hausaufgabenbetreuung, wie sie zur Zeit am BSG angeboten und umgesetzt wird,
ist das Ergebnis von Überlegungen der Schulleitung, von Diskussionen
in verschiedenen schulischen Gremien und vor allem einer Umfrage unter den
Eltern unserer derzeitigen Fünftklässler.

Bereits im Frühjahr 2008 hatten wir den Eltern der Kinder, die zum Schuljahr
2008/09 an das Benedikt-Stattler-Gymnasium übertreten wollten, angeboten eine
Ganztagsklasse zu bilden. Interesse war vorhanden, aber nur bei sehr wenigen
Müttern und Vätern. Ende Juli 2008 leiteten wir diesen Eltern einen Fragebogen
zum Thema "Ganztagsklasse/Hausaufgabenbetreuung" zu. Das Ergebnis war eindeutig.
Nur ein Dutzend der Eltern sprach sich für eine Ganztagsklasse aus; eine
wesentlich größere Anzahl wollte eine Hausaufgabenbetreuung, die auch von
sportlichen oder musischen Aktivitäten unterbrochen wird. Während einige Eltern
für eine viertägige Betreuung plädierten, wünschten andere eine solche nur an
ganz bestimmten Tagen.

Auf der Grundlage dieser Umfrage organisierten wir für das Schuljahr 2008/09
unsere Hausaufgabenbetreuung, die von unserer Beratungslehrerin, Frau
OStRin Ingrid Rauscher, organisiert und koordiniert wird.
2. Pläne für das Schuljahr 2009/10
Da sich die Hausaufgabenbetreuung im laufenden Schuljahr bewährt hat,
wird sie auch 2009/10 weitergeführt werden. Es ist auch an eine
Erweiterung des Konzepts gedacht. Da am BSG im September 2009 eine Theater-/Bläserklasse
starten soll, werden Überlegungen angestellt werden, wie man diese mit einer
sinnvollen Nachmittagsbetreuung verbinden kann. Für alle unsere Planungen
soll entscheidend sein, was der Elternwille ist. Folglich werden wir uns
wieder um ein sehr flexibles Konzept bemühen, das die Teilnahme an einem Tag
Hausaufgabenbetreuung ebenso ermöglichen wird wie das Mitmachen an vier Tagen.
In jedem Falle wollen wir auch weiterhin ein Angebot unterbreiten, das
den Eltern keine Kosten aufbürdet.
3. Überlegungen für die Zukunft
Um den Erfolg für die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen gewährleisten
zu können, müssen auch Bildungseinrichtungen Veränderungen in unserer Gesellschaft
wahrnehmen und darauf reagieren.

Zu diesen Veränderungen gehört die Tatsache, dass die Zahl der Alleinerziehenden
stark angewachsen ist und in vielen Familien inzwischen beide Elternteile berufstätig
sind - mit der Folge, dass Kinder sich in der Zeit, die sie nicht in der Schule
verbringen, zu Hause alleine überlassen sind.

Mag der Wunsch nach Nachmittagen ohne Schule von verschiedenen Seiten noch so
deutlich (und zum Teil auch berechtigt) artikuliert werden, so heißt das nicht,
dass man nicht auch für jene eine gute Lösung finden muss, deren schulisches
Fortkommen kaum durch die Mithilfe einer behüteten Familie und von der häuslichen
Präsenz zumindest eines Elternteils gesichert ist.

Es bietet sich daher an, für jene Familien, in denen Eltern eine sinnvolle pädagogische
Betreuung über den Unterricht hinaus ausdrücklich wünschen, ein Ganztagsschulangebot
zu unterbreiten. Dieses Konzept soll darauf abzielen, dass der größte Teil des
Lehrens und Lernens in der Schule erledigt werden kann, dass die Mädchen und
Buben, wenn sie zu Fuß, mit dem Bus oder mit dem Zug (mit Ausnahme von Mittwoch
spätnachmittags und Freitag) um 17.15 Uhr, 17.45 Uhr oder gar erst um 18.15
Uhr nach Hause kommen, das Miteinander in der Familie frei von schulischen Aufgaben
erleben können. Um 17.00 Uhr sollte dann weitgehend Schluss mit Schule sein.
Die Teilhabe am Programm in der Ganztagsklasse soll die Eltern davon befreien,
dass sie neben ihren beruflichen Belastungen auch noch als "Hilfslehrer" mit
schulischen Herausforderungen konfrontiert sind.

Eine wichtige Intention des BSG soll hier nicht verschwiegen werden. Der Einzugsbereich
unserer Schule hat bundesweit die wenigsten Abiturienten. In unserer Gegend
gibt es sehr viele Familien, die ihre begabten Kinder auch bei besten Ergebnissen
im Übertrittszeugnis nicht ans Gymnasium schicken wollen. Ein durchdachtes Ganztagsschulkonzept
soll sie motivieren diesen für die Zukunft ihrer Töchter und Söhne so wichtigen
Schritt dann doch zu wagen.

Es wäre nicht gerade günstig, wenn Ganztagsschule von oben verordnet und an
allen Orten Bayerns in allen Schulen weitgehend gleich sein müsste.

Jede Schule hat ihre eigene Geschichte, ihr eigenes Profil, ist in eine ganz
bestimmte regionale Situation eingebunden.

So wird ein Ganztagskonzept in München oder Nürnberg an einer Schule mit 1500
Schülern wesentlich anders aussehen als an einem Gymnasium mit 780 Schülern
im Bayerischen Wald.

In Bad Kötzting halten wir uns vor Augen, dass wir es mit sehr vielen Fahrschülern
zu tun haben, dass wir bereits Erfahrung mit Hausaufgabenbetreuung und einem
Lerntutorensystem besitzen. Unsere Beratungslehrerin hat ein umfassendes Konzept
zu "Lernen lernen" ausgearbeitet. Außerdem steht uns mit unserem Schulbistro
"va bene" eine hervorragende Mittagsverpflegung zur Verfügung, die sehr gutes
und preiswertes Essen anbietet.

Um etwas Durchdachtes auf den Weg bringen zu können, wollen wir uns, wenn wir
vielleicht im Schuljahr 2010/11 mit einem Angebot Ganztagsschule starten, in
einem Erprobungsjahr mit einer einzigen Klasse zufrieden geben. Voraussetzung
ist selbstverständlich, dass mindestens 25 Kinder auf den Wunsch ihrer Eltern
hin von dieser Möglichkeit Gebrauch machen sollen.

Das Benedikt-Stattler-Gymnasium ist sich darüber im Klaren, dass so eine Ganztagsklasse
Geld kostet. Bei allen Überlegungen wurde bedacht, dass man dem Staat, dem Sachaufwandsträger
und den Eltern hier einen Beitrag abverlangen muss, dass man aber alles daran
setzen sollte, dass niemandem zu viel zugemutet wird. Der Staat macht den Schulen
inzwischen interessante Angebote. Wir werden diese prüfen, mit dem Sachaufwandsträger
verhandeln, interessierte Eltern rechtzeitig informieren und dann, ohne etwas
zu überstürzen, mit einem klaren Konzept in die Erprobungsphase gehen.

Die Verteilung des Unterrichts: Die Unterrichtszeit wird in einer Ganztagsklasse
sinnvoll über die einzelnen (ganzen) Tage und über die gesamte Woche verteilt.
"Hauptfächer" stehen mit "Nebenfächern" erfolgversprechend im Wechsel, das Freitags-
und Montagsprogramm wird so gestaltet, dass das Wochenende nicht mit Hausaufgaben
voll gepackt ist.

Studierzeiten: Während der Studierzeiten sollen die Schülerinnen und
Schüler ihre Hausaufgaben erledigen und die Unterrichtsstunden nach und vorbereiten
können. Dies muss zum Teil selbstständig geschehen, die qualifizierte Betreuung
kann aber auch Unterstützung gewährleisten. "Bewegte Lernpausen" sind ebenso
zu integrieren wie koordiniertes Methodenlernen. Hier könnte das BSG von einem
von der Beratungslehrerin ausgearbeiteten Konzept profitieren, in dessen Mittelpunkt
steht, die Schülerinnen und Schüler frühzeitig damit vertraut zu machen, wie
sie ihre Lernzeit effektiv nutzen können, wie sie herausfinden, welcher Lerntyp
sie sind, wie sie sich Vokabeln am besten einprägen… - Ausgehend davon, dass
viele Schüler die vorgesehene Studierzeit nicht zum Erledigen der Hausaufgaben
benötigen, müssen die Kinder auch die Möglichkeit bekommen, unter Anleitung
das Internet oder die Studienbibliothek zu nutzen. Ein Grobkonzept für die STUDIERZEIT
EINER GANZTAGSKLASSE (Vermittlung in der Zeit, die nicht zur Vor- und Nachbereitung
des Unterrichtsstoffes benötigt wird) könnte so aussehen:

1. Einführung in allgemeine Lern- und Arbeitstechniken
- Lernumwelt: Arbeitsplatz
- Hausaufgaben
- Lernkanäle, Lerntypen (Sehen, Lesen, Hören, Schreiben/Handeln) -> individuelle Stärken erkennen
- Kennen lernen verschiedener Merktechniken (Karteikarten, merkwürdige Geschichten, Mind maps)
2. Anbahnen von SRL (selbst reguliertem Lernen)
- Planen und Strukturieren des Lernprozesses, z.B. der Vorbereitung von Schulaufgaben (Lerntagebuch als Basis individuellen Lernens)
- Reflektieren über den eigenen Lernprozess (z.B.: Selbstevaluationsbogen zur mündlichen Mitarbeit)
- Erstellen individueller Lernpläne
3. Methodentraining
Einführung in grundlegende Techniken, die in den jeweiligen Unterrichtsfächern
aufgegriffen und vertieft werden:
- Lesetechnik (-> Deutsch)
- Präsentieren (-> Natur und Technik)
- Karteikartensystem (-> Englisch)
- Recherchieren (Bibliothek, Internet)
4. Arbeiten und Lernen in der Gruppe
Arbeits- und Sozialformen nutzen, die speziell die Gruppe bietet und ermöglicht:
- Der Mitschüler als Experte für einen bestimmten stofflichen Inhalt
- jemandem etwas erklären
- sich gegenseitig abfragen
STUDIERZEITEN AM VORMITTAG müssten unbedingt sinnvoll gestaltet werden. Hier
müsste qualifiziertes Lehrpersonal zur Verfügung gestellt werden. Zu denken
wäre dabei etwa an externe Lehrpersonen, an pensionierte Lehrkräfte. Notwendig
erscheinen zwei Lehrer für die Klasse, damit eine ausreichende Betreuung und
Förderung gewährleistet wird.

Während der STUDIERZEITEN AM NACHMITTAG könnten die Schülerinnen und Schüler
durch eine externe pädagogische Kraft und durch zwei bis drei Oberstufenschüler
betreut werden(Aufteilung in drei Gruppen!), die bereits als Lerntutoren Erfahrung
gesammelt haben.
Das Benedikt-Stattler-Gymnasium wird in absehbarer Zeit sicherlich keine
Ganztagsschule werden. Die Schulleitung wird aber große Anstrengungen unternehmen,
auch jenen Eltern gerecht zu werden, die den schulischen Fortschritt ihrer Kinder
in einer Ganztagsklasse am besten gewährleistet sehen. Gerade für die Kinder
dieser Eltern werden wir in den nächsten Jahren den Lebensraum Schule weiter
sinnvoll ausgestalten.
Unabhängig von allen Überlegungen zu Ganztagsklassen soll unser Konzept der
Hausaufgabenbetreuung, das in diesem Schuljahr erfolgreich begonnen werden konnte,
weiterhin nicht nur bestehen bleiben; es wird im kommenden Jahr konsequent evaluiert,
stetig verbessert und ausgebaut.