„80 Jahre Vertreibung“ - Workshop in Furth im Wald

Pavel Blazek von „Post Bellum“ und Schriftstellerin Alice Horáčková ließen die BSG-Workshopteilnehmer tief in die Nachkriegsgeschichte im deutsch-tschechischen Grenzraum eintauchen.

Zwölf BSGler nahmen gemeinsam mit StDin Stefanie Macharowsky an einem grenzüberschreitenden Workshop zum Thema „80 Jahre Vertreibung – Geschichte und Gegenwart“ in Furth im Wald teil. Die Veranstaltung war Teil einer deutsch-tschechischen Gedenkreihe, die an die Vertreibung der Deutschen aus der damaligen Tschechoslowakei nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert und zugleich den Blick auf aktuelle Fragen von Erinnerungskultur, Migration und Versöhnung richtet.

Im Mittelpunkt des Vormittags standen Workshops für die Schüler aus Bayern und Tschechien. Dabei setzten sich die Jugendlichen mit den historischen Ereignissen der Nachkriegszeit, den Erfahrungen von Flucht und Vertreibung sowie den Auswirkungen von Grenzen auf das Leben der Menschen auseinander. Gleichzeitig wurden Bezüge zu aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen hergestellt.

Pavel Blazek von Post Bellum erläuterte den historischen Hintergrund der Vertreibungen und ging auf die Bedeutung der deutsch-tschechischen Verständigung ein. Anhand von Zeitzeugenberichten und historischen Quellen wurde deutlich, wie eng die Geschichte beider Länder miteinander verflochten ist und wie wichtig ein offener Dialog über die Vergangenheit bleibt. Mit Blazek besuchten die Schüler die Comic-Ausstellung „Vertriebene Kinder“, die anhand persönlicher Lebensgeschichten die Erfahrungen von Flucht und Vertreibung aus der Perspektive von Kindern schildert. Die eindrucksvollen Biografien verdeutlichten, dass hinter den großen historischen Ereignissen immer individuelle Schicksale stehen.

Besonders beeindruckend war für die Teilnehmenden die Begegnung mit der Schriftstellerin Alice Horáčková, die sich in ihren Werken intensiv mit Erinnerung, Identität und den Folgen historischer Umbrüche beschäftigt. Im Gespräch mit den Schülern schilderte sie, wie persönliche Lebensgeschichten helfen können, Geschichte verständlich und greifbar zu machen. Die Jugendlichen nutzten die Gelegenheit, Fragen zu stellen und mit der Autorin über die Bedeutung von Erinnerung für die heutige Gesellschaft zu diskutieren.

So wurde Geschichte nicht allein als vergangenes Ereignis vermittelt, sondern als Thema, das bis heute nachwirkt und zum Nachdenken über Demokratie, Menschenrechte und ein friedliches Miteinander anregt. Die Exkursion nach Furth im Wald war für alle Beteiligten eine bereichernde Erfahrung und ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Erinnerungskultur junge Menschen für historische Verantwortung und europäische Verständigung sensibilisieren kann.

 StDin Stefanie Macharowsky

Das Schuljahr im Blick