BSG-Theatergruppe stach „All inclusive“ in See
Eine Kreuzfahrt nach Mallorca, ein kleiner weißer Plüschhund namens „Prinzessin“, eine Reisegesellschaft, die unterschiedlicher kaum sein könnte, und ein Juwelenraub: In diesem Rahmen tobte sich die BSG-Theatergruppe geleitet von StRin Karin Kellermann mit der Komödie „All inclusive“ an zwei Abenden und in zwei Vormittagsvorstellungen aus und nahm das Publikum mit auf hohe See.
Doch zuerst trafen die Passagiere nacheinander an Bord ein und wurden von Stewardess und Kapitänin empfangen. Schon hier wurde offensichtlich, dass sich die BSG-Theatergruppe auch auf die Kunst der Komödie versteht. Die Herausforderung bestand darin, die schrillen Figuren, die skurrilen Verwicklungen und die schnell aufeinanderfolgenden Pointen nicht in albernen Klamauk abdriften zu lassen. Dem Ensemble aus Schülern der Jahrgangsstufen 5 bis 13 gelang dies mit großer Finesse. Die Darsteller überdrehten ihre Figuren nicht, sondern gaben ihnen Eigenheiten und arbeiteten deren Reibungsflächen präzise heraus. Wenn etwa die derbe und wenig weltmännische Familie Böller aus einfachen Verhältnissen davon überrumpelt wird, dass auf dem Luxusdampfer kein Big-Mac-Menü serviert wird, und ihre Überforderung zwar mit Coolness zu überspielen versucht, diese dem Publikum aber doch in zahllosen kleinen Nuancen sichtbar wird, dann muss man den Hut vor der schauspielerischen Leistung ziehen. Besonders, wenn man bedenkt, dass zum Beispiel der Familienvater nicht etwa von einem „gestandenen“ Oberstufenschüler gemimt wurde, sondern von einer zierlichen Sechstklässlerin.
Die Kontrastfamilie „von und zu“ Hofstädt mitsamt Pudel „Prinzessin“ ist pikiert vom Auftreten der Böllers und stellt sich mit vornehmer Attitüde über diese und alle restlichen Passagiere, wie etwa über die beiden in der Werbebranche tätigen und verfeindeten Workaholics, den so findigen und schleimigen Krawattenverkäufer Herrn Schlips oder das vermeintliche Seniorenpaar Seppelmeier. Wunderbar und mehr als vergnüglich war das Spiel, denn sofort waren die Figuren als Typen zu erkennen, doch keine blieb schablonenhaft. Ob vornehme Überheblichkeit der „Von-und-Zus“, die aufgesetzte Geschäftigkeit des Handelsvertreters oder die „Altersmacken“ der Seppelmeiers – alles wurde in Mimik, Haltung und Tonfall subtil dargestellt.
Die harmlosen Reibereien an Bord gerieten allerdings bald in den Hintergrund. Denn als „Prinzessin“ verschwindet und aufgedeckt wird, dass der Hundehalsband-Juwelenraub von den vermeintlichen Senioren Seppelmeier, die eigentlich ein vitales und gefährliches Gaunerpaar sind, begangen worden ist, sind alle gezwungen, zusammenzustehen. Eingesperrt in der Schiffssauna nähert sich die Reisegesellschaft einander an. Es kommt zu Geständnissen und zur Preisgabe wahrer Geheimnisse. So stellt sich etwas heraus, dass die sympathische Kapitänin seit Jahren an Seekrankheit leidet und die motivierte Stewardess eigentlich Kriminalbeamtin ist. Schließlich werden Passagiere und Besatzung sowie letztlich auch „Prinzessin“ von der blinden Passagierin gerettet.
Zur Glanzleistung wurde die Aufführung gerade durch den Verzicht auf eine aufwendige Kulisse. Zwei Langbänke und ein Bock genügten der Theatergruppe, um die Illusion des Luxusliners beim Publikum entstehen zu lassen. Das Ensemble bewegte sich so geschickt und authentisch auf der Bühne, dass selbst aktionsgeladene Spielszenen voller Bewegung, bei denen alle Darsteller gleichzeitig agierten und sich neu formierten, eben kein Klamauk, sondern große Kunst der Komödie auf See waren. Das Publikum bedankte sich mit beständigem Gekicher und auch schallendem Gelächter für diese Theateraufführung, die wirklich all inclusive war.