Das BSG verabschiedet Herrn Schlattl in den Ruhestand

In der letzten Lehrerkonferenz wurde StD Karl Schlattl von Schulleiterin Birgit Maier mit einer Laudatio und den Kollegen mit Standing Ovations verabschiedet. 

Wenn ein Physiklehrer wie Studiendirektor Karl Schlattl in die Freistellungsphase der Altersteilzeit und anschließend in Ruhestand geht, dann ist das natürlich kein gewöhnlicher Abschied. Dann verlässt uns nicht nur ein Pädagoge und Kollege — dann verschwindet so etwas wie eine Konstante, eine feste Größe aus unserem System.

Karl Schlattl ist seit 1991 am Kötztinger Gymnasium. Der zweifache Vater – gebürtig aus dem Landkreis Passau stammend – kam mit dem Hintergrund eines Diplom-Physikers ins höhere Lehramt. Er absolvierte den Vorbereitungsdienst, legte sein Zweites Staatsexamen am Goethe-Gymnasium in Regensburg ab und trat gleich im Anschluss als Studienrat zur Anstellung seinen Dienst am Benedikt-Stattler-Gymnasium an. Da kam ein Lehrer mit naturwissenschaftlicher Prägung, klarer Logik und einem gewissen Grundvertrauen darauf, dass es für fast alles eine vernünftige, wenn auch nicht immer eine gemütliche Lösung geben müsse. Einer, der wusste, wie die Welt funktioniert und auch bereit war, sie jungen Menschen zu erklären.

Nach einer gewissen Dienstzeit am BSG folgten die Verbeamtung auf Lebenszeit, die Beförderung zum Oberstudienrat im Jahr 2006 und schließlich 2015 die Ernennung zum Studiendirektor. Das klingt nüchtern und nach Laufbahnrecht. Tatsächlich steckt dahinter aber ein langes Berufsleben, in dem Karl Schlattl Mathematik- und Physik-Unterricht gehalten sowie Schule mitgetragen und mitgestaltet hat.

Mit viel Fachwissen sowie Verantwortungsbewusstsein setzte er Maßstäbe hinsichtlich Beständigkeit und Substanz. Dabei pflegte er gerade in jüngeren Jahren einen Stil, der selten weichgezeichnet war, eine Kommunikation, die gelegentlich durchaus etwas mehr Feingefühl hätte vertragen können. Dass manch trockener Kommentar erst im Nachgang als kluge Pointe mit pädagogischer Tiefe erkannt wird, kann ein Physiker aber grundsätzlich verkraften. Und auch, dass nicht jeder Witz im ersten Versuch zündet, liegt im Bereich der Toleranzgrenze.

 

Karl Schlattl war nie der Typ stromlinienförmiger Lehrer, der sich bequem in pädagogischer Beliebigkeit eingerichtet hätte. Er war manchmal streng, nicht immer maximal diplomatisch und gelegentlich auf seine eigene Art direkt, so, dass Schüler, Eltern oder auch Kollegen erst einmal einen Moment brauchten, um das Gesagte pädagogisch einzuordnen. Authentisch und mit viel Gespür führte Herr Schlattl gerade schwierige Klassen – auch mit einem sicheren Blick für das, was Sache und was wichtig ist. Nie ging es ihm darum, nur Wissen zu vermitteln, sondern verantwortungsbewusstes Handeln einzuüben. Seine pädagogische Zielsetzung erreichte die Schüler gut verpackt, freilich ohne Schleifchen, aber wirksam, wie man einer älteren Schulleiternotiz entnehmen kann. Mit unverbindlichen Floskeln konnte der Physiker eben nichts anfangen.

Sehr wohl aber mit den Gesichtern und Namen seiner ehemaligen Schüler. Kein anderer Mitarbeiter im Haus erkennt und benennt noch nach Jahrzehnten die BSGler, ordnet ihre Jahrgänge, Klassenkameraden und Lehrer korrekt zu und erzählt Anekdoten aus deren jeweiliger Schulzeit. Dieses historisch-lexikalische Wissen war für die Schulleitung vor allem bei den zahlreichen gemeinsamen Schulhausführungen anlässlich von Ehemaligentreffen mehr als beeindruckend und von großem Wert. Zudem bezeugt es Karl Schlattls lebhaftes Interesse an den Kötztinger Gymnasiasten und ihrem Werdegang.

Seine persönliche Laufbahn liest sich spannend wie ein Entwicklungsroman. In seiner Probezeitbeurteilung war da noch die Formulierung zu finden, er sei „auf dem Weg, ein solider Lehrer zu werden“. Heute darf man wohl mit gewisser Gelassenheit feststellen: Der Weg war durchaus erfolgreich. Aus dem „fast soliden“ ist ein reifer, routinierter, fachlich hoch geschätzter Lehrer geworden mit einer Präsenz, die im Kollegium bis heute Gewicht hat. Die Beurteilungen sprechen von einem ausgleichenden, unaufgeregten und verlässlichen Pädagogen, dem überbordender Aktionismus fremd ist, von jemandem, dessen Rat von jüngeren Lehrkräften geschätzt und dessen Expertise auch von Eltern wahrgenommen wird, dessen klarer Kurs kein Makel ist.

So hat Karl Schlattl am BSG Spuren hinterlassen – und das über das Klassenzimmer hinaus. Mit Haltung, Rückgrat und Verantwortungsbewusstsein erfüllte er über Jahrzehnte hinweg seine Zusatzaufgaben, sei es als Sicherheitsbeauftragter, Beauftragter für Verkehrserziehung, Strahlenschutzbeauftragter, als Fachschaftsleiter Physik, Ansprechstelle für externe Partner oder als Betreuer für Praktikanten und Referendare.

Gerade als Sicherheitsbeauftragter sah Karl Schlattl beim Betreten des Schulhauses wahrscheinlich nicht nur Treppen, Türen und Gänge, sondern vermutlich zuerst Fluchtwege, Gefahrenquellen und Optimierungsbedarf. Dass er diese Aufgabe vor allem während der Generalsanierung mit großem Einsatz übernommen hat, ist keine Randnotiz, sondern ein echtes Verdienst. Sicherheit ist in Schulen meist so lange unsichtbar, wie sie funktioniert. Und wenn sie funktioniert, fragt am Ende keiner, wer dafür gesorgt hat. Karl, danke dafür.

Bemerkenswert ist auch, wie konstant Karl Schlattl über Jahrzehnte für die Schule da war. Schon in den ersten Jahren fallen kaum Krankheitstage auf, und auch später wird er als verlässlich und zielstrebig beschrieben — selbst in gesundheitlich nicht immer einfachen Phasen. Das soll heute nicht nach heldenhafter Selbstausbeutung klingen, sondern nach dem, was es war: nach Ernsthaftigkeit gegenüber dem Beruf und nach einem sehr hohen Pflichtbewusstsein – auch gegenüber den Kollegen, besonders jenen im regelmäßigen Lehrersport.

Im Basketball wie im Beruf zeigte sich Kollege Schlattl häufig treffsicher, bisweilen gefürchtet, manchmal knorrig und unbequem, oft meinungsstark und respektiert, immer unverwechselbar als Mensch mit Ecken und Kanten und vor allem mit Profil und Persönlichkeit. „Reibung erzeugt Energie“, weiß der selbstkritische Physiker, und diese gehört bei einem so langen Intervall im Dienst ebenso dazu wie der offene Widerstand gegen fragwürdige Betriebsamkeit.

Nun beginnt für dich, lieber Karl, die Freistellungsphase der Altersteilzeit — also jener für Lehrer bemerkenswerte Lebensabschnitt ohne Aufsichten, Korrekturen und Konferenzen. Was bleibt, wenn der Stundenplan als ordnende Kraft wegbricht? Es bleiben hoffentlich Schwerelosigkeit und sonst nur Zeit, viel Zeit. Und das ist für einen Physiker fast schon ein Luxusproblem von kosmischem Ausmaß, das neue Energie freisetzen kann – für neue Aufgaben.

Und deshalb bekommst du als Abschiedsgeschenk eine Hommage an den Physiker in dir, der auch ab und an der Welt die Zunge zeigt: Es ist eine Lasercutterarbeit, die – sofern mit einem gewissen Maß an Geduld, Präzision und systematischem Denken zusammengesetzt – das ikonische Bildnis Albert Einsteins in 3D ergibt. Aus vielen Einzelteilen entsteht am Ende ein charakteristisches Ganzes. Und wenn man so will, ist das auch ein schönes Bild für deinen beruflichen Weg: Fachwissen, klare Haltung, Humor, Direktheit, Pflichtbewusstsein, Erfahrung, manchmal Reibung, oft Wirkung — alles zusammen ergibt am Ende eine sehr eigene, sehr markante und sehr respektierte Lehrerpersönlichkeit, die mit dem Nobelpreisträger immer einig war: „Alles muss so einfach wie möglich sein. Aber nicht einfacher.“

Lieber Karl, wir danken dir für viele Jahre engagierter Arbeit, für deine Verlässlichkeit, deine Freude an der Verantwortung, dein offenes Ohr, deine deutlichen Worte und so manchen Rat, deinen Witz und für all das, was du für diese Schule gewesen bist.

Wir wünschen dir für den neuen Lebensabschnitt Gesundheit, Ruhe, Freude, Zeit für die Familie — und natürlich viel Erfolg beim Zusammensetzen deines Einsteins. Und nach einer gewissen Weile wünschen wir dir auch ein kleines Vakuum, das du mit Besuchen oder Arbeit am BSG wieder füllen magst.

Die Lehrerschaft ehrte Herrn Schlattl am vorletzten Schultag mit einem selbst geschriebenen und gesungenen Song, der aus typischen Schlattl-Sprüchen bestand. 

Lieber Karl, wir werden Dich mit Deiner unaufgeregten Art und Deinem Humor sehr, sehr vermissen!!! 

Das Schuljahr im Blick