Latein im Original entdeckt

BSGler begeisterten mittelalterliche Handschriften an der Uni Regensburg

im Uni-Hörsaal: Prof. Dr. Riedl steckte mit Ihrer Leidenschaft für antike und mittelalterliche Originaltexte die BSGler an.

Kann ich mit meinen Sprachkenntnissen einen 600 Jahre alten lateinischen Text im Original lesen? Dieser Frage gingen Schüler des Fachs Latein des Benedikt-Stattler-Gymnasiums Bad Kötzting bei einem außergewöhnlichen Workshop an der Universität Regensburg nach. Unter dem Titel „Latein im Original – Von der Kunst, mittelalterliche Handschriften zu lesen“ öffnete Prof. Dr. Andrea Riedl vom Lehrstuhl für Mittlere und Neue Kirchengeschichte den Gymnasiasten die Tür in eine faszinierende Welt der Wissenschaft, Geschichte und Paläographie.

Schon nach wenigen Minuten wurde deutlich: Latein ist weit mehr als Grammatik und Übersetzung. Mit viel ansteckender Leidenschaft führte Prof. Riedl die Schüler an die Kunst des Entzifferns mittelalterlicher Handschriften heran. Gemeinsam mit der studentischen Mitarbeiterin Annika Ponten erklärte sie Besonderheiten verschiedener Schriftarten, typische Abkürzungen und die Herausforderungen, vor denen Historiker bei der Arbeit mit Originalquellen stehen.

Die Jugendlichen durften nach dem Theorieteil selbst tätig werden. Mit großem Eifer entzifferten sie eine Passage aus einer echten mittelalterlichen Handschrift, einem Codex aus dem Benediktinerstift Admont aus dem 14. Jahrhundert, und stellten schnell fest, dass dabei nicht nur gute Lateinkenntnisse gefragt sind, sondern auch Geduld, Genauigkeit und detektivischer Spürsinn. Immer wieder sorgten überraschende Entdeckungen und gemeinsam gelöste Rätsel für Erfolgserlebnisse und lebhafte Diskussionen.

Besonders beeindruckte die Schüler, dass sie mit einer Quelle aus den Gesta Romanorum arbeiten durften, die Gotthold Ephraim Lessing als Vorlage für seine Ringparabel diente. So wurde Literaturgeschichte unmittelbar erfahrbar: Aus unscheinbaren Buchstaben entstanden Texte, die seit Jahrhunderten überliefert sind und bis heute wertvolle Einblicke in das Denken und Leben vergangener Zeiten geben.

Neben dem Workshop bot der Besuch auch Gelegenheit, Universitätsluft zu schnuppern. Für viele war es der erste intensive Einblick in wissenschaftliches Arbeiten an einer Hochschule. Die offene Atmosphäre, die Begeisterung der Referierenden und die Möglichkeit, Fragen zu stellen und selbst aktiv zu werden, machten den Nachmittag zu einem besonderen Erlebnis. Entsprechend positiv fiel das Fazit der Begleitlehrkräfte aus: „Der Workshop hat den Schülern eindrucksvoll gezeigt, wie lebendig antike und mittelalterliche Texte sind und welche Türen das Schulfach Latein in Wissenschaft und Kultur öffnen kann.“ Auch die Begeisterung der Schüler war offensichtlich, als sie mit dem Wusch an die Gastgeberinnen herantraten, im kommenden Jahr erneut an einem Handschriften-Workshop teilnehmen zu dürfen – ein schöneres Kompliment für Professorin und studentische Mitarbeiterin hätte es wohl kaum geben können.

von StDin Stefanie Macharowsky

Langsam tasteten sich die BSGler an die Paläographie, die Lehre von alten Schriften, heran.
Das Entziffern der alten Handschriften ist schwere Denkarbeit, die hungrig macht. Auch dafür gab es in der Uni-Mensa eine Lösung.

Das Schuljahr im Blick